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Zur Debatte um die UBA-Broschüre „Und sie erwärmt sich doch“

Da es selten vorkommt, dass ich mich über einen Artikel der Klimaretter aufrege, will ich doch gleich die Gelegenheit nutzen, dies hier in Blogform zu tun: Die Debatten um die UBA-Broschüre „Und sie erwärmt sich doch“ kochen ja auf vielen Medienkanälen gerade ziemlich hoch (z.B. bei heute, Welt oder Spiegel Online). Aber eben auch bei Klimaretter.info. Und da gibt es zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen auf die Frage, ob das UBA bekannte Klimaskeptiker in Deutschland namentlich nennen darf.

Laura-Sophie Schulz und Susanne Ehlerding sagen nein und schreiben: „Grundsätzlich aber sind Kritiker als Stachel im Fleisch wichtig. Sie bewahren vor einer Selbstzufriedenheit, die schädlich für den schwierigen Erkenntisprozess in der komplexen Klimawissenschaft wäre.“ Verena Kern dagegen sagt ja und schreibt: „Die Herren dürfen meinen, was sie wollen – niemand schränkt sie darin ein. Das Umweltbundesamt weist in seiner Broschüre lediglich darauf hin, dass sie falsche Informationen über den Stand der Wissenschaften verbreiten – das hat nichts mit Meinung zu tun. Im Übrigen greifen Klima“skeptiker“ oft zu extrem schrillen Worten, werfen Wissenschaftlern sirenenhaft Lüge, Betrug und Verschwörung vor. Liebe Leute, wer austeilt, sollte auch mal einstecken können.“

Um mal einen meiner anderen Onkel zu zitieren, Eckhard Fuhr, der vor vielen Jahren in der Welt (!) schrieb: „Wenn man sich daran erinnert, mit welchen Behauptungen und Thesen sie [die Klimaskeptiker] in diese Debatten gegangen sind – bewaffneter Demokratie-Export, Brachialreform der Sozialsysteme, Leugnung des von Menschen verursachten Klimawandels – dann müsste man heute eigentlich ihren intellektuellen Bankrott konstatieren. Aber das Gerede geht ja weiter. Im Wirtschaftsleben nennt man das Insolvenzverschleppung. Es ist ein Straftatbestand. Im freien Geistesleben gibt es das natürlich nicht. Da kann man auch den radical chic von vorgestern noch anbieten.“

Übrigens sind es tatsächlich nur Herren, um die es geht. Daher schreibt Achim Brunnengräber in der Einleitung seiner sehr zu empfehlenden Studie „Klimaskeptiker in Deutschland und ihr Kampf gegen die Energiewende„: „In dieser Studie wird nicht nur auf Grund der Lesbarkeit auf die Schreibweise „KlimaskeptikerInnen“ verzichtet. Es wäre auch unverhältnismäßig: Klimaskeptizismus in Deutschland scheint ein weitgehend männliches Phänomen zu sein.“ Und die Drohgebärden der genannten Herren sind auch deutlich als typisch männliches Verhalten erkennbar. Es ist wichtig, dass es genügend Klimaretterinnen gibt, die sich dadurch nicht einschüchtern lassen!

Danke, liebe Verena, kann ich da nur sagen und über die angeblich so gerechte und bescheidene Art der anderen beiden Klimaretterinnen nur den Kopf schütteln.

 

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Diskussion

  1. Ich habe ebenfalls einen kurzen Artikel über die Aufregung über die Umweltbundesamt-Broschüre geschrieben und die Schwierigkeiten die sich ergeben, wenn man sich gegen diese Art von Unsinn wehren möchte. Er heißt „Über die Unmöglichkeit adäquat über den Klimawandel zu sprechen“ und ist hier zu finden: http://istinalog.net/2013/05/24/uber-die-unmoglichkeit-adaquat-uber-den-klimawandel-zu-sprechen/
    Daraufhin hat mein Co-Autor einen ersten Text beigesteuert zu der Notwendigkeit, aus allen möglichen Perspektiven über den Klimawandel und seine gesellschaftlichen und psychologischen Auswirkungen zu sprechen: http://istinalog.net/2013/05/26/uber-die-notwendigkeit-adaquat-vom-klimawandel-zu-sprechen-i/
    Wir werden das als Reihe fortsetzen.

  2. Auch die Wissenschafts-Pressekonferenz e.V. kritisiert die UBA-Broschüre (idw-online.de/pages/de/news536360). Die WPK e.V. sollte für „Klimaretter“ unverdächtig sein, schliesslich wird in der Kritik hervorgehoben: „Auch wenn der anthropogen bedingte Klimawandel nicht mehr bezweifelt werden kann, …“

    Nichtsdestotrotz fällt in eben dieser WPV-Kritik ein entscheidender Satz, nämlich:

    „Im Übrigen könne es nicht Aufgabe einer Behörde sein, bestimmte wissenschaftliche Positionen quasi amtlich als wahr zu beurkunden.“

    GENAU DAS ist der springende Punkt!

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