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Deutschland im Rohstofffieber – neuer Ölboom in Süddeutschland?

Die indirekten Folgen des neuen Öl- und Gasbooms in den USA für Europa und Deutschland sind ja inzwischen hinlänglich bekannt – und dramatisch: Um mit den billigen Energiepreisen jenseits des Atlantiks mithalten zu können, fordern die europäischen Industrielobbyisten von der Komission und den Mitgliedsregierungen, die Klima- und Energieziele aufzuweichen.

Neu ist mir aber eine viel direktere Verknüpfung, undzwar die Beteiligung Deutscher Firmen an den Ölschieferbohrungen in den USA: der Heidelberger Konzern Deutsche Rohstoff AG fördert seit Mai Ölschiefer in Colorado, plant weitere Bohrungen in der Region und will langfristig dort investieren. Und auch in Deutschland selber will die die Firma mit ihrem Tochterkonzern Rhein Petroleum GmbH aktiv werden:

„Die Rhein Petroleum GmbH wurde im Dezember 2007 von der Deutschen Rohstoff mitgegründet. Ihr Kerngeschäft ist die Exploration und Entwicklung von konventionellen Öl- und Gasfeldern in Deutschland, mit dem Ziel, so schnell wie möglich die eigene Produktion aufzunehmen. Der Schwerpunkt liegt bei der Rhein Petroleum auf der Entwicklung bereits bekannter Lagerstättenreviere, die in der Vergangenheit aufgrund des weitaus niedrigeren Preisniveaus nicht in Produktion gebracht bzw. aus der Produktion genommen wurden.“

Die Deutsche Rohstoff wurde 2006 gegründet und beschreibt ihr Geschäftsinteresse folgendermaßen:

„Ziel der Deutsche Rohstoff ist es, einen neuen deutschen Rohstoffproduzenten aufzubauen. Dabei setzt die Deutsche Rohstoff vor allem auf die (Wieder-) Erschließung bereits erkundeter Lagerstätten in politisch stabilen Ländern mittels Nutzung neuer Bergbau-Technologie. Diese Strategie erlaubt es, das Explorationsrisiko erheblich zu vermindern, die Zeit bis zur Produktion abzukürzen sowie das in Deutschland vorhandene herausragende Technologiewissen gewinnbringend einzusetzen.“

Energiewende und Ölboom? Das passt wirklich nicht zusammen! Nur leider setzt die Bundesrepublik eine Rohstoffstrategie um, die das nicht mitdenkt. Zwar zielt die Strategie in erster Linie auf eine bessere Versorgung Deutschland mit sog „kritischen Metallen“ (Antimon, Beryllium, Kobalt, Fluorit, Gallium, Germanium, Graphit, Indium, Magnesium, Niobium, Platinmetalle, Seltene Erden, Tantal und Wolfram), in der Praxis werden aber die Fossilen nicht aufgeschlossen. So fördert die Bundesregierung in ihrer bilateralen Rohstoffpartnerschaft mit der Mongolei z.B. den Kohlesektor.

Am 31. Mai endete die erste Frist zur Einreichung von Förderanträgen im Rahmen des neu aufgelegten Explorationsförderprogramms der Bundesregierung, verwaltet durch die Deutsche Rohstoffagentur (DERA). Projekte zur Förderung fossiler Rohstoffe sind hier leider nicht ausgeschlossen. Bin mal gespannt, ob sich da die Deutsche Rohstoff unter den Antragstellern findet…

 

 

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