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„Shell, räum‘ deinen Müll im Nigerdelta auf!“

stopshell_logo_de_RGBUnter diesem Motto starten das internationale Umweltnetzwerk Friends of the Earth und andere NGOs an diesem Montag eine Online-Petition gegen die Verschmutzung des Nigerdeltas durch Shell. Die NGOs fordern von dem Petroleumgiganten, die Ölverschmutzung zu stoppen und die entstandenen Schäden zu beseitigen.

Hintergrund ist eine von der nigerianischen Regierung beim UNEP in Auftrag gegebene Studie über die Ökosysteme im Nigerdelta, die 2011 veröffentlicht wurde. Darin wurde festgestellt, dass ein Großteil der Umwelt, besonders in Ogoniland, durch Ölleckagen und Ölbrände aus den oftmals maroden Anlagen zerstört wurde. Für die dort lebende Bevölkerung ist das eine Katastrophe, weil sie ihrer Lebensgrundlagen, die vor allem auf Landwirtschaft und Fischerei beruhen, beraubt wurden. Das Wasser ist vielerorts verseucht und nicht trinkbar. Viele der Ogonis haben ihre Heimat verlassen, um anderswo ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Der UNEP-Bericht, der von Shell finanziert wurde, hat festgestellt, dass die Schäden weitaus größer seien, als bisher angenommen, eine Säuberung und Wiederherstellung des Gebietes jedoch möglich sei, aber bis zu 30 Jahre in Anspruch nehmen kann. Zudem müsse eine weitere Verschmutzung unterbunden werden. Der Bericht fordert von Shell und der nigerianischen Regierung einen Environmental Restoration Fund einzurichten, diesen mit mindestens 1 Mrd. US-$ auszustatten und dringende Maßnahmen zur Renaturierung, zur Sicherung der Anlagen und zur Kontrolle der Säuberungsaktivitäten zu implementieren.

Das war vor zwei Jahren. Geschehen ist bisher nicht viel bis nichts, wie der BUND und Environmental Rights Action, die nigerianische Sektion von Friends of the Earth, berichten:

  • Keine der Maßnahmen, die der UNEP-Bericht vorgeschlagen hat, sind bisher umgesetzt worden.
  • Das Trinkwasser in vielen Orten in Ogoniland ist immer noch stark verschmutzt und führt zu erhöhten Krebsraten bei der Bevölkerung.
  • Es wurde zwar eine Institution zur Überwachung der Säuberungsaktionen eingerichtet. Diese hat jedoch ihre Arbeit noch nicht entsprechend des Auftrags aufgenommen. Stattdessen ist sie derzeit für die Überwachung der Ölpipelines tätig.
  • Die 1 Mrd. US-$ wurden bisher nicht bereit gestellt.

Friends of the Earth fordert nun von Shell:

  • Shell und andere Ölkonzerne und die nigerianische Regierung müssen das anfängliche Startkapital von 1 Mrd. USD sofort zahlen! Mit der Säuberung und Wiederherstellung der einzelnen Gebiete muss sofort begonnen werden
  • Shell Petroleum Development Company Nig. Ltd. soll nach den von UNEP empfohlenen Maßnahmen mit der Dekonstruktion ihrer stillgelegenen Ölgewinnungsanlagen im Ogoniland beginnen, die noch genutzten Anlagen auf den neuesten Stand bringen, und reguläre Wartung vollziehen, um weitere Ölaustritte in Zukunft zu vermeiden.
  • Falls ein Ölaustritt stattfindet, müssen diese sofort gestoppt, die Umgebung gereinigt und der Ursprungszustand wieder hergestellt werden. Die nahe Bevölkerung muss informiert, geschützt und kompensiert werden.
  • Shell muss sofort mit der Säuberung der Oberfläche von allen verseuchten Landstücken im Ogoniland anfangen und garantieren, dass diese innerhalb der im UNEP-Bericht gesetzten Frist von fünf Jahren gesäubert und wiederhergestellt sind. Zwei Jahre sind schon vergangen, ohne dass etwas passiert ist.
  • Die Regierung soll ein großes Trinkwasserreservoir anlegen, um die Gemeinden im Ogoniland, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, zu versorgen.
  • Die Regierung soll sofort eine medizinische Station vor Ort einrichten, damit der Gesundheitszustand der Menschen dort regelmäßig überprüft und passende Behandlungen angeboten werden können.
  • Die Muttergesellschaft von Shell Petroleum Development Company Nig. Ltd., Royal Dutch Shell Plc (RDS), die die Arbeit von Shell beaufsichtigt, sollte Shell mit Finanzierung und fachkundlicher Kompetenz unterstützen, damit eine geeignete Säuberung im Ogoniland durchgeführt wird.
  • Alle Ogonis, die nigerianische Zivilgesellschaft, alle Friends of the Earth Gruppen, die Organe der Vereinten Nationen müssen sich zusammentun, um Druck auf Shell und die nigerianische Regierung auszuüben, damit die Implementierung des UNEP-Berichts endlich beginnt und seine zeitgerechte Durchführung gesichert wird.

Die Online-Petition kann hier (auf deutsch) oder hier (auf Englisch) unterzeichnet werden.

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Diskussion

  1. Es muß doch möglich sein, diesen Wahnsinn zu stoppen !!!

  2. Das müsste ganz klar ein Fall für den internationalen Gerichtshof sein. Umwelt- und Wirtschaftsverbrechen müssten genau so geahndet werden, wie Menschenrechts- und Kriegsverbrechen.
    Denn Umweltverbrechen sind Menschenrechtsverbrechen.

    Erst wenn langjährige Haftstrafen drohen wird man diese Herrschaften aus ihrer Inaktivität rausbekommen, die nichts Anderes ist als eine neue Art des Rassismus. Siehe auch die europäischen Sondermüll“exporte“ auf die Müllkippen Afrikas.

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