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Yasuní-Initiative gescheitert: Ecuador gibt Nationalpark zur Ölförderung frei

Mit den Worten der prominentesten deutschen Unterstützerin des Projekts, Ute Koczy: „Das ist eine bittere Enttäuschung. Der Hoffnungsträger Correa kapituliert vor dem Druck der Ölindustrie. Das Prestigeprojekt Ecuadors, nämlich das größte Ölfeld unter dem Amazonas gegen internationale Kompensationszahlungen nicht zu eröffnen, ist damit gescheitert. Der wohl artenreichste Yasuní Nationalpark der Welt, der eigentlich für jedwede Ölförderung Tabu sein müsste, wird Stück für Stück als Ölfeld missbraucht.“ (siehe auch Spiegel Online, bbc)

Die Idee war brilliant und Ecuador galt vielen als Hoffnungsträger für eine ölfreie Zukunft. Doch die aktuelle Kehrtwende hat sich bereits länger abgezeichnet. Zum einen flossen die finanziellen Zusagen nicht wie erwartet. Und auch Deutschland stellte sich hier mit Niebel fast bis zuletzt quer. Zum anderen wurden in den letzten Jahren still und heimlich immer wieder direkt an den Grenzen des Nationalparks Lizenzen zur Ölbohrung vergeben. So richtig ernst war es der Regierung also nicht mit der Strategie „weg vom Öl“.

Das Scheitern ist besonders deshalb bedauerlich, weil das Projekt Leuchtturmcharakter hatte, weil es viele zum Nachdenken und Nachmachen angeregt hat – und weil es so breit diskutiert wurde, überall auf dem Planeten. Aber es war nie mehr als eine Notlösung für ein ganz konkretes Fleckchen Erde – zwar ein besonders wertvolles Fleckchen, aber eben doch ein kleines. Wir können die Probleme Klimawandel und Biodiversitätsschutz nicht dadurch lösen, dass wir überall auf der Welt kleine Yasuní-Initiativen starten und finanzieren. Aber wir können und müssen es uns auf der Suche nach geeigneten neuen Strukturen und Instrumenten leisten, auch mal Neues zu wagen. Und hier lässt sich mit Gewissheit sagen: der Versuch war es wert!

Und zum Abschluss noch einmal Ute Koczy: „In Ecuador wird man sich fragen müssen, inwieweit das in der Verfassung verankerte vorbildliche Prinzip des ,,Buen Vivir“ (Gutes Leben) noch trägt. Kritisch muss sich die internationale Gemeinschaft fragen lassen, warum unsere Systemabhängigkeit vom Erdöl nicht schon längst beendet ist. Wir müssen weg vom Öl und alles tun, damit Einsparung, Effizienz und Erneuerbare Energien in unserer Energiewirtschaft Einzug halten. Denn bislang hat in diesen Fragen die internationaler Klima- und Ressourcenpolitik brutal versagt.“

P.S.: Ich wüsste zu gern, was die Bundesregierung mit dem eingezahlten Geld anstellen wird, das nun aus dem UN Fonds zurückfließt…

 

 

 

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Diskussion

  1. Ich mache mir da garkeine Illusionen: selbst wenn es mit der Initiative geklappt hätte, wäre das Öl in 20 oder 30 Jahren doch gefördert worden, zu Zeiten eines kollabierenden Weltölexportmarktes.

  2. Hier eine Widerlegung der Legende, Erdgas sein unter den fossilen Energieträgern der vergleichsweise „sauberste“:

    http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Klimarisiko_Erdgas__Methanleckagen_bei_Gasfoerderung_groesser_als_vermutet1771015589271.html

    Und es zeigt auch, dass gerade beim Fracking die Emissionen überdurchschnittlich sind – wahrscheinlich durch Austritt von Erdgas aus der Erdoberfläche in den Gebieten, in denen gefrackt wird.

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