--> -->

Regenwürmer: Klimaschützer oder Klimasünder?

RegenwurmSind Regenwürmer nun Klimaschützer oder Klimasünder? Anfang des Jahres hatten die Ergebnisse eines Forschungsprojekts in den Niederlanden für Aufsehen gesorgt: „Die Präsenz von Regenwürmern erhöht […] die Freisetzung von Lachgas im Durchschnitt um 42 Prozent, von Kohlendioxid um 33 Prozent. Dadurch verstärke der Wurm das globale Erwärmungspotenzial – den Beitrag der Böden zum Klimawandel – um immerhin 16 Prozent.“ (Quelle: Bild der Wissenschaft)

Doch nun kommt ein Team chinesischer Wissenschaftler/innen zu einem anderen Schluss: „Die Arbeit [des] Teams hat ergeben, dass die Mikroben in den Därmen der Regenwürmer organischen Kohlenstoff in eine Form verwandeln, die vom Boden gespeichert werden kann.“ (Wallstreet Online)

Zwar sagt auch die Leiterin des niederländischen Teams, dass die Fragestellung sehr komplex sei und Langzeitstudien bisher fehlen. Aber die Schuldzuweisung ist trotzdem klar: Landwirtschaftliche Produktion generell – auch die ökologische – fördert die Ausbreitung der Würmer und erhöht damit den Treibhauseffekt. Und der Klimawandel wiederum fördert die Ausbreitung der Würmer…

Aber kommt es nicht doch sehr stark auf die Art der Produktion an? Hier lohnt sich ein Blick in die Studie „Bodenlos“ von Heinrich-Böll-Stiftung und WWF, die sich mit den negativen Folgen von Mineraldüngeranwendung auf tropischen Böden befasst und auch mit Alternativen:

„Große Verbreitung findet gegenwärtig die Herstellung von Wurmkomposten (Vermicompost). Dieses Verfahren, das mit hohen Regenwurmpopulationen arbeitet, führt zu sehr hochwertigen Humusverbindungen. Zahlreiche Forschungsergebnisse der letzten zehn Jahre belegen die überaus positiven Wirkungen von Vermicompost auf den Pflanzenertrag – allein und in Kombination mit Mineraldüngern. Außerdem wurden in zahlreichen Arbeiten positive Wirkungen auf den Humushaushalt, die bodenbiologische Aktivität, den pH-Wert und die Phosphatverfügbarkeit nachgewiesen.“ (S. 41)

Fragt sich nur: Warum tauchen die Würmer nicht im IPCC-Bericht auf?

Foto: „Compost with earthworms“ von SuSanA Secretariat mit Creative Commons Lizenz.

Dieser Artikel wurde unter Allgemein abgelegt.

Diskussion

  1. Jeder, der sich mit den Basisreoourcen beschäftigt – zu denen fruchtbarer Boden gehört – weiß, dass es garnicht genug Regenwürmer geben kann.
    Da der fruchtbare Ackerboden in weiten Regionen erodiert, überbaut wird, versalzt usw., könnte man schlussfolgern: toll für´s Klima!
    Denn in solchermaßen geschädigten Böden verrichtet kein oder kaum ein Regenwurm mehr sein nützliches Werk.

    Also bitte nicht ALLES unter Klimagresichtspunkten sehen.
    Die Überbeanspruchung solche Ressourcen wie fruchtbare Böden, kaum regenerierbares Tiefengrundwasser oder Fischgründe wird das Leben der Menschen in weiten, dicht bevölkerten Regionen in diesem (!) Jahrhundert mehr gefährden, als der globale Klimawandel. Denn der entwickelt erst suzessive seine zivilisationsgefährdende Kraft und verstärkt dann zunehmend die Wirkungen des Schwundes von Basisressourcen.
    Z.B. in Indien aber auch vielen anderen Ländern ist der ernährungsrelevante Ressourcenschwund schon das überragende Thema der nächsten 3 Jahrzehnte. Mit teils furchtbaren Konsequenzen.

    Also: lasst Euch nicht falsche Vorwürfe machen, liebe Regenwürmer.

  2. Für die leider zahlreichen Tippfehler bitte ich um Entschuldigung.

Kommentieren