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Wälder und Geld: REDD+ in Warschau

Gastbeitrag von Thomas Fatheuer (live von der COP 19 in Warschau)

Wälder galten lange Zeit als ein Hoffnungsschimmer in den zähen Klimaverhandlungen. REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) wurde relativ unabhängig verhandelt und deshalb konnten bei ein konzeptioneller Rahmen für REDD+ bei den letzten Klimaverhandlungen durchaus Fortschritte erzielt werden. Gleichzeitig wurden über UNEP, Weltbank und bilaterale Träger (Norwegen und Deutschland) weltweit REDD+ Pilotprojekte finanziert, um einen „Readyness for REDD“-Prozess in Gang zu bringen.

Aber offensichtlich sind die Tage des Glanzes vorbei, REDD+ ist in Warschau weniger der große Hoffnungsträger als Teil des komplexen und langwierigen Verhandlungsprozesses. Aber auch Proteste gegen REDD+ wie auf vergangenen COPs sind nun Fehlanzeige. Auch die kritischen Punkte sind im Magen des Molochs Verhandlungsprozess eingespeist worden und werden nun dort langsam verarbeitet.

Worum geht es nun noch bei den REDD-Verhandlungen im Rahmen der UNFCCC?

MRV – Measurement, Reporting and Verification sind Schlüsselfragen für einen Mechanismus, dessen Zahlungen auf messbaren Reduzierungen von CO2 basieren sollen. Daher muss ein einheitliches System von MRV entwickelt werden. Dies ist zugleich ein sehr technisch wie politisch sensiblerer Punkt. Länder des Südens wollen keine Berichterstatter für vom Norden dominierte Instanzen werden. Eng verbunden mir den technischen Fragen von MRV ist die Bestimmung von Baselines. Reduzierungen können nur dann zuverlässig gemessen werden, wenn der Ausgangspunkt richtig berechnet wird.

Koordination: REDD+ hat sich inzwischen zu einem recht unübersichtlichen Handlungsfeld bi- und multilateraler Akteure entwickelt. Darüber hinaus etabliert sich ein (noch sehr kleiner) freiwilliger Markt mit eigener Zertifizierung. Wenn REDD nicht zu einem Mosaik unterschiedlicher Ansätze geraten will, ist Koordinierung notwendig.

Integration: Bei den REDD+ Verhandler/innen gibt es inzwischen Befürchtungen, dass die erzielten Fortschritte zu einem Bumerang werden könnte. Denn der Umstand dass REDD+ relativ autonom verhandelt wurde, hat die Frage nach der Integration von REDD+ in ein umfassendes Klimaabkommen offen gelassen. Nun kann diese Frage nicht mehr aufgeschoben werden.

Damit kehren aber auch alte Gespenster zurück und die Grundfrage: wer soll das bezahlen? Denn REDD+ war ja von Anfang an als Finanzierungsmechanismus für die Reduzierung von Waldvernichtung konzipiert. Inzwischen wird die Finanzierung von REDD+ unter dem Titel „Results Based Finance“ verhandelt. Hier hat Brasilien – unterstützt von brasilianischen NGOs – die bereits im Vorfeld formulierte Position auch in Warschau mit Nachdruck vertreten: keine Finanzierung von REDD+ durch offsets – also durch einen Finanzierungsmechanismus, bei dem Reduzierungen CO² Emissionen durch Entwaldung gegen „Verschmutzungsrechte“ der Industrie getauscht werden können. In der zuständigen Arbeitsgruppen kam es am Samstag zu einem Eklat, als Brasilien mit aller Heftigkeit einen Vorschlag Norwegens zurückwies, durch den offsets bei der REDD-Finanzierung einbezogen werden sollten. Dies ist eine notwendige Debatte, auf deren weiteren Verlauf wir in Warschau noch gespannt sein können.

 

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