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EU: 80 % bis 2030!

Einen ungewöhnlichen Weihnachtsgruß erhielt EU Kommissionspräsident Barroso vor einer Woche von Kevin Anderson (Professor of Energy and Climate Change, Deputy Director of the Tyndall Centre for Climate Change Research): In dem Brief legt Anderson dar, warum das anvisierte Emissonreduktionsziel von 30 % bis 2030 überhaupt nicht kompatibel mit dem 2°C Ziel ist, und fordert 80% bis 2030:

According to the IPCC’s taxonomy of probabilities, both the language of international agreements and your statements as Commission President relate to a high probability of not exceeding 2°C: quantitatively between 1 and 10%. In stark contrast, the analysis informing much of the debate on the EU 2030 targets is premised on a 50% to 70% chance of exceeding 2°C. This misrepresentation of probabilities has dramatic consequences for the necessary scale of mitigation. For example, a 60% chance of exceeding 2°C has a carbon budget twice as large as that for a 10% chance. […] The EU must acknowledge this reality if it is ever to catalyse meaningful action on climate. This demands the courage to pursue an equitable and science-based 2030 decarbonisation target of around 80%. Anything less and the EU will renege on its 2°C commitments and, as the Commission rightly notes, bequeath to future generations a legacy of “devastating impacts”.

Kevin Anderson und das Tyndall Centre haben übrigens vor Kurzem mit der Radical Emissions Reductions Conference für Aufsehen gesorgt.  Besonders sehenswert: die Video-Keynote von Naomi Klein.

 

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Diskussion

  1. Natürlich hat Anderson recht! Bei den Zusatzemissionen, die von den Entwicklungs- und Schwellenländern nachholend und jetzt ständig steigend in die Atmospäre abgegeben werden, müssten die Selbstverpflichtungen der Hochemissionsländer (pro Kopf) noch wesentlich ehrgeiziger sein.

    Da gibt es nur eine Hürde, die aber bei gutem Willen zu überwinden wäre: mann müsste nicht nur in die Installation großer Wind- und Solarenergiekapazitäten und in den Netzausbau investieren, sondern auch sehr schnell in sehr große Speicherkapazitäten.
    Denn ohne riesige Energiespeicher ist die Energiewende noch vor dem Jahr 2020 mausetot, egal welche Regierung dann am Ruder ist und ob Brüssel dazwischenfunkt, oder nicht.
    Die Schaffung dieser großen Speicherkapazitäten würde natürlich nicht für Zwei Euro Fuffzig zu haben sein, und auch die mit der Speicherung verbundenen Energieverluste verursachen nicht unwesentliche Kosten.
    Und trotzdem MUSS man es machen. Das heißt natürlich auch, dass ein gewisser Teil der Wertschöpfung vom Konsum abgezogen werden müsste und in diese Herkulesaufgabe umgeleitet werden müsste.
    Und genau da hakt es: weder die Politik, noch die Wirtschaft und erst recht nicht die Masse der Verbraucher sind zu deutlichen Absenkungen des Konsumniveaus bereit, um diese Zukunftsnotwendigkeiten zu finanzieren.

    Und ich befürchte, genau deshalb wird das Machbare nicht gemacht werden.

    Ergänzung: zusätzlich muss natürlich in Energieverbrauchsvermeidung investiert werden.

  2. Ein Artikel, den alle Politiker des Westens, am besten alle Bürger der Hochemissionsländer, lesen sollten:

    http://www.neopresse.com/wirtschaft/philippinen-im-griff-von-klimawandel-und-schulden/

    Leider war 2013 erneut ein verlorenes Jahr ohne wirkliche Weichenstellungen im Kampf gegen den Klimawandel.
    Die mediale Fokussierung auf dieses wahrscheinlich wichtigste Zukunftsthema war wieder einmal sehr dürftig. Ein Protzbischof oder jetzt ein Skiunfall sind weitaus mehr im Fokus der Medien und somit der öffentlichen Meinung.

    Auch wenn die Klimabilanz dieses Jahres erneut mit vorraussichtlichen Rekordemissionen nicht unbedingt große Hoffnung für 2014 macht, so wünsche ich allen hier Schreibenden und Lesenden dessen ungeachtet einen guten Start in ein Jahr mit persönlichem Glück und guter Gesundheit.
    Und vielen Dank für die vielen guten Blogartikel, Frau Fuhr.

  3. Kevin Anderson wird wissen, wovon er redet, aber wie sollte eine 80%-Reduzierung politisch und technologisch umsetzbar sein, ohne dass es zu schweren gesellschaftlichen Verwerfungen kommt? Mehr wäre sicher wünschenswert, aber eine Reduzierung im knapp ein Drittel wäre meiner Meinung nach schon eine herausragende Leistung.

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