--> -->

Action Points vom New Yorker Klimagipfel: einer UN nicht würdig!

Mit Blick auf die offizielle Website des UN (!) Klimagipfels, der gestern in New York stattfand, musste ich mir erstmal gehörig die Augen reiben, als ich heute die Ergebnisse nachlesen wollte. Von den verkündeten und geplanten Aktionen in den acht thematischen „Action Areas“ sind einige dermaßen große Irrwege, dass es schon an Dreistigkeit grenzt, diese im Rahmen der Vereinten Nationen als Lösungsbeitrag zur Klimakrise zu präsentieren – gar unter Beteiligung von UN Organisationen! Hier kurz drei Beispiele:

1. Landwirtschaft

Die Global Alliance for Climate-Smart Agriculture verspricht einen „triple win“: höhere Erträge, Reduktion von Treibhausgasen und eine an den Klimawandel angepasste Produktion. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Begriff aber eine industrielle Landwirtschaft, die auf Großbetriebe, hohen Düngemittel- und Pestizideinsatz sowie die Verwendung von gentechnisch verändertem Saatgut setzt. Der angebliche Klima-Effekt ergibt sich leidglich durch die Tatsache, dass bei diesem Anbau der Boden nicht gepflügt werden muss. Dafür erhoffen sich die Befürworter eine Einbeziehung in den Emissionshandel (Kompensationsmaßnahmen für fossile Emissionen).

Das Third World Network hat eine kurze Analyse der Alliance und der damit einhergehenen Risiken für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im Globalen Süden sowie der Ernährungssicherheit und -souveränität von Milliarden von Menschen verfasst. Weitere Argumente zum Vergleich der Agroindustrie mit der Agroecology gibt es hier von der ETC Group.

2. Wälder

Die New York Declaration on Forests vereint zahlreiche Regierungen (darunter Deutschland), Konzerne (darunter die größten Verursacher von Entwaldung: z.B. Cargill. Unilever, McDonalds, aber auch die Deutsche Bank) sowie Vereinigungen von Indigenen und konservative Naturschutzverbände. Am Rande des New Yorker Gipfels schlossen Deutschland und Norwegen u.a. eine neue Waldschutzpartnerschaft mit Peru. Diese kommentiert die Rainforest Foundation Norway gemeinsam mit einem Indigenen-Verband aus Peru. Die deutsche Zivilgesellschaft jedoch schweigt. Und dass, obwohl Deutschland international zu den größten Geldgebern im Bereich REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) gehört.

Dabei könnte man hier viele Fragen an die Bundesregierung stellen, z.B. ob es es bei dem Programm um die Etablierung eines marktbasierten Mechanismus geht, wo billige REDD-Zertifikate zum Ausgleich fossiler Emissionen generiert werden? Ob Deutschland anstrebt, diese Partnerschaft als Teil des oder analog zum REDD Early Movers Programm umzusetzen? Warum große „multilateral“ (nehme an, die meinen „mutlinational – schöne Freud’sche Fehlleistung angesichts der Macht dieser Konzerne und der Ohnmacht vieler Regierungen!) Konzerne an Public Private Partnerships beteiligt werden sollen?

Außerdem erklärte Bundesumweltministerin Hendricks in New York, dass Deutschland künftig gemeinsam mit Großbritannien und Norwegen Waldschutz-Programme in bis zu 20 Entwicklungsländern finanzieren will, „wenn mit diesen Programmen nachweisbare vermiedene Entwaldung und Emissionsminderungen einhergehen“ (gemeinsame Erklärung).

Eine Zusammenfassung der Kritik an REDD findet sich z.B. bei FERN und beim WRM (beides auf Englisch) oder bei der hbs (S. 48ff, Deutsch). Auf Klima der Gerechtigkeit bloggt Thomas Fatheuer immer wieder zum Thema, u.a. zu den REDD Entscheidungen bei der COP in Warschau.

3. Öl und Gas

Unter der Action Area „Industry“ verbirgt sich die „Oil & Gas Climate Initiative„. Und jetzt wird es wirklich absurd: SaudiAramco, Eni, Total und andere Öl- und Gasgiganten wollen sich zusammen tun, um noch mehr als bisher (!) für Klimaschutz, Umwelt und eine nachhaltige Energieversorgung zu tun. Konkret geht es ihnen um Methanemissionen und um das Abfackeln von überschüssigem Gas bei der Ölproduktion, um Carbon Capture and Storage (CCS) und auch am Rande um erneuerbare Energien.

Vermutlich geht es im Wesentlichen um einen gemeinsamen koordinierten PR-Effekt, der die größten Klimasünder als Teil der Lösung dastehen lässt. Das haben sie auch nötig: Saudi Aramco alleine ist für 3,17 % der globalen Emissionen seit 1750 verantwortlich. Pemex nimmt Platz 8 der „Carbon Majors“ ein, Total Platz 14 und Eni Platz 28.

Eines UN Klimagipfels ist so etwas nicht würdig!

Dieser Artikel wurde unter Allgemein abgelegt.

Diskussion

  1. Nie gab es so viele und so stark ansteigende klimarelevante Emissionen, wie seit der Zeit, seit die Klimagipfel abgehalten werden.
    Das sagt eigentlich schon alles über den Klima-Wanderzirkus.
    Und dann die illustre Delegiertenschar. Mit großer Wahrscheinlichkeit wimmelt es auf den Klimakonferenzen nur so vor Vielfliegern und Bonusmeilenmillionären.

    Di Caprio, der millionenschwere Schauspieler, richtet seinen Apell an die Welt. Um dann zurückzukehren in seine 3000-Quadratmeter-Villa mit seinem persönlichen Fahrzeugpark.
    Hätte man mal lieber einen der 1 bis 2 Milliarden ärmsten Menschen der Erde diesen Apell aussprechen lassen. Einen, der nicht fliegt, kein Auto hat und nur einen minimalen Stromverbrauch (wenn überhaupt) und einen minimalen Fleischverbrauch.
    Diese 1 bis 2 Milliarden ärmsten Menschen sind nämlich – zumeist durchaus unfreiwillig – die einzigen wrklichen Klimaschützer.
    Der professionelle „Klimaschützer“ hingegen neigt in aller Regel dazu, selbst Teil des Problems zu sein, mit einem gegenüber dem Weltdurchschnittsbürger stark überproportionalen persönlichen Emissionsrucksack.
    Vermutlich liegt in dieser Tatsache auch das Geheimnis für das regelmäßige Scheitern dieser Konferenzen.

    Selbst, wenn sich alle emissionsrelevanten Länder mit Emissionsminderungsversprechen gegenseitig überbieten würden, was man vermutlich als „Durchbruch“ des Klimaschutzes feiern würde, würde das alles zunächst mal überhaupt nichts bedeuten, so lange die Nichteinhaltung der eigenen Zusagen nicht mit wirklich schmerzlichen Sanktionen belegt wird.
    Der Prozess der Klimaverhandlungen ist völlig zahnlos, an Beliebigkeit nicht zu überbieten.

Kommentieren