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New Climate Economy Report 2 fordert Climate Smart Agriculture und Geoengineering

Letztes Jahr im September erschien der erste New Climate Economy Report der Global Commission on the Economy and Climate, der von vielen als Folgebericht zum Stern Review gehandelt wurde (mein Kommentar dazu findet sich hier). Letzte Woche nun erschien der Folgebericht: „Seizing the Global Opportunity“ mit zehn konkreten Handlungsempfehlungen, wie Regierungen das 2°C-Ziel doch noch erreichen können.

Wie zu erwarten war, steht da viel Gutes und Richtiges drin. Aber der Knackpunkt ist mal wieder der Land- und Waldsektor – denn eben dort steckt die CO2-speichernde Biomasse, von der sich viele die letzte Rettung erwarten, wenn man nicht mehr glauben mag, dass wir unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern tatsächlich loswerden können. Leider ergibt ein Blick, der rein auf potentielle CO2-Reduktionen gerichtet ist, hier eine ganze Latte von Irrwegen und falschen Lösungen – auch im New Climate Economy Bericht 2.

Konkret empfohlen wird Folgendes:

Developing countries, supported by international partnerships between governments, the private sector and community organisations and initiatives such as the New York Declaration on Forests, REDD+, Initiative 20×20 in Latin America, the Africa Climate-Smart Agriculture Alliance and the Global Alliance for Climate-Smart Agriculture, are helping to improve enabling environments for forest protection and agricultural production, and reducing and sharing investment risk to facilitate larger financial flows.

Dazu sollte man wissen, dass gerade die Global Alliance for Climate-Smart Agriculture sehr kritisiert wurde, u.a. in diesem Bericht (Clever Name, Losing Game?) von Action Aid. Die Sorge ist, dass Gentechnik und Einsatz vonm Pestiziden und synthetischem Dünger (und die damit einhergehende Kontrolle und Marktmacht großer Konzerne) als Landwirtschaftsmodell der Zukunft verkauft werden.

Bzgl. notwendiger Investitionen in Forschung und Innovation empfehlen die Autor/innen:

Priority areas for low-carbon cooperative innovation include agriculture and energy access, particularly in developing countries; longer-term global solutions such as bioenergy and carbon capture, utilisation and storage[…].

Und hier hört der Spaß dann tatsächlich auf. Denn BECCS (Bioenergie mit CCS) ist nicht nur ein Luftschlosstechnologie, die es bisher weder gibt noch in naher Zukunft geben wird, sondern eine, deren reale Anwendung ganz erhebliche Auswirkungen für Menschen und Umwelt hätte. Bei BECCS geht es darum, großflächig Bäume oder andere Biomasse zu pflanzen, damit diese CO2 aufnehmen; später werden diese dann zur Stromerzeugung verbrannt und das dabei entweichende CO2 gespeichert. Sicher ist, dass eine solche Strategie zu Landgrabbing beitragen würde, wie schon das Beispiel der Agrotreibstoffe in den letzten Jahren gezeigt hat.

Aber eine einfache Rechenübung zeigt auch schon, dass es sich hierbei nicht um ernstzunehmende Lösungsvorschläge, sondern Hirngespinste handelt: Um eine Milliarde Tonnen CO2 mit Hilfe von BECCS aus der Atmosphäre zu ziehen, müssten einer wissenschaftlichen Schätzung zufolge 218 bis 990 Mio. Hektar bepflanzt werden (Schätzung basiert auf „switchgrass“). Das ist 14- bis 65-mal so viel Land, wie die USA aktuell für den Anbau von Mais für die Ethanolgewinnung nutzen. Lachgas-Emissionen durch den Einsatz von Düngemitteln, die für den Anbau dieser Fläche erforderlich wären, könnten zudem den Klimawandel noch verschlimmern. Nicht zu vergessen, dass noch massive CO2-Emissionen, die aus der Rodung von Bäumen, Büschen und Gras auf mehreren hundert Millionen Hektar Land und aus der Zerstörung großer Kohlenstoffspeicher im Boden sowie aus dem Transport und der Verarbeitung der Biomasse entstehen, hinzukommen.

Noch problematischer ist die Idee, dass das komprimierte CO2 zur Speicherung in alte Ölquellen gepumpt werden könnte, was einen zusätzlichen finanziellen Anreiz schafft, mehr Erdöl zu fördern, gleichgültig, wie hoch die Kosten sind. Das US-Energieministerium schätzt, dass mit derartigen Methoden 67 Milliarden Barrel Öl – das dreifache Volumen der nachgewiesenen US-Ölreserven – wirtschaftlich gefördert werden könnten. Wenn man bedenkt, um wie viel Geld es geht, könnte in Wirklichkeit dies eines der Motive hinter der Lobbyarbeit für BECCS sein. Sicher ist, dass keine Form der CO2-Abscheidung und -Speicherung das Ziel eines Strukturwandels hin zur vollständigen Dekarbonisierung voranbringt.

Dass sich reommierte Organisationen wie das Stockholm Environment Institute (SEI) und das Overseas Development Institute (ODI) – neben den eher „üblichen Verdächtigen“ (z.B. Global Green Growth Institute und World Resources Institute) sind sie nämlich auch Mitglied in der Global Commission for the Economy and Climate – für so etwas hergeben, ist mir gänzlich unverständlich.

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