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BHP Billiton und die schöne neue Klimawelt

Die Welt läuft sich langsam warem für den Klimagipfel in Paris. Während z.B. der Governor der Bank of England öffentlich Investoren fossiler Energieunternehmen vor großen zu erwartenden Verlusten warnt, sollten die Regierungen endlich ernst machen mit dem Klimaschutz (siehe z.B. FT und Bloomberg), hat sich einer der größten Bergbau- (und Kohle-)konzerne, BHP Billiton aus Australien, anhand verschiedener Szenarienanalysen angeschaut, welche Auswirkungen das 2°C-Limit konkret auf seine Geschäftspraxis und Portfolio haben wird bzw. hätte.

Das Ergebnis ist wenig überraschend: Eigentlich relativ wenig. Sie wollen und müssen zwar ein wenig mehr in Effizienz- und Klimaschutztechnologien arbeiten, um die Produktionsprozesse zu optimieren. Aber tatsächlich nimmt in der 2°C-Welt von BHP Billiton sowohl die Nachfrage nach Uran zu („alternative energy source“ Atomkraft) als auch der Einsatz von Carbon Capture and Storage (CCS). Außerdem braucht die klimasmarte (industrielle) Landwirtschaft der Zukunft mehr Kali (für Düngemittel). Alles also rosige Aussichten für eine großes Bergbauunternehmen… Und ach ja, weil sie so großzügig und gut sind, wollen sie auch noch mehr in Waldschutz à la REDD+ investieren. Hat natürlich nichts damit zu tun, dass sie sich damit von ihren ökologischen Sünden freizukaufen gedenken…

Aufgrund dieser ganzen Kompetenzen und Zukunftsaussichten fühlt sich BHP Billiton ja jetzt auch neben Shell, Dow Chemicaol, RWE und anderen berufen, unsere Regierungen in Sachen Klimapolitik zu beraten. Hierzu wurde am Montag in Texas die Energy Transitions Commission gegründet – ganz offiziell auch angelehnt an und aufbauen auf die Global Commission on the Economy and Climate und ihr Projekt New Climate Economy (die zwei Berichte habe ich hier).

Und so ist auch die Stoßrichtung dieser Kommission bereits klar: Atom als Erneuerbare („Alternative“) Energie etablieren, Marktmechanismen als einzig rationales Politikinstrument in den Himmel loben und vor allem: Kohle, Öl und Gas eine Zukunft sichern. Eine der wichtigsten Leitfragen der Kommission für die nahe Zukunft lautet: „What would it take to make fossil fuels part of the solution? Under what conditions can we view “gas as a bridge”? What is the potential to create an ‘S curve’ for CCUS applications?“ (Anmerkung: CCS ist ja schon schlimm genug. CCUS meint Carbon Capture Utilization and Storage – da wird der Klimaeffekt noch fraglicher).

Leider – und das wird auch ganz klar so formuliert – wird diese neue Lobbyinstitution sich nicht darauf beschränken, neue Reports und Recherchen zu produzieren. Es geht ihnen um Beeinflussung von Politik. Umso trauriger und fataler ist es, dass sich selbt etablierte Akteure der Klimaszene wie das World Resources Institute und die European Climate Foundation für so etwas hergeben.

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