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Capitan America – indischer Think Tank CSE kritisert amerikanische Klimapolitik

Das renommierte indische Center for Science and Environment (CSE) mit seiner bekannten Chefin Sunita Narain hat wenige Wochen vor dem Klimagipfel in Paris die US-amerikanische Klimapolitik unter die Lupe genommen. (Die wichtigsten Ergebnisse gibt es hier.). Das Anliegen war, im Lichte der generellen Euphorie angesichts Obamas Plänen und der allgemeinen Wahrnehmung, die USA hätten endlich ihre Blockadehaltung aufgegeben und würden nun endlich zu den „Guten“ zählen, sich die Zahlen und Fakten ganz genau anzuschauen. Und (gar nicht) erstaunlicherweise kommt das CSE zu einem anderen Schluss als die öffentliche Meinung heutzutage:

The US climate plan is nothing more than business-as-usual; emission reductions will be marginal at best. What is even more worrying is that the US plan is largely based on improvement in efficiency. This is not enough. Our data analysis shows clearly that gains made by improvements in efficiency are being lost because of increased consumption – sector after sector.

Sie legen den Finger in die Wunde, indem sie die eigentliche „unbequeme Wahrheit“ aussprechen:

USA Electricity consumed

 

Quite simply, everybody wants to be an American. If it were possible to attain such a lifestyle and yet combat climate change, our concern would be unfounded. But we all know that is not possible. The world—the US and us—cannot combat climate change without changing the way we drive, build homes or consume goods. As we say it is time we accepted that the C-word is the C-word.

Und auch mit den großen amerikanischen Umweltverbänden gehen sie ins Gericht:

We have also pointed out our worry about the lack of critique, indeed the tendency towards self-censorship and restraint in advocating big solutions, we found in the work of big and powerful US civil society groups. For instance, these groups are asking—rightly—for car restraints in many parts of the developing world. But in the US, they still push fuel economy standards and, at most, hybrid cars as the panacea to climate ills. There is no bus rapid transit (BRT) being built in the US, where over 70-80 per cent people commute to work in cars. This is where practice must also happen, so that the world can follow and emissions reduce.

Es gibt bestimmt hunderte von Analysen amerikanischer Think Tanks über die indische Klimapolitik – und auch dort gibt es viel zu kritisieren. Aber ich finde es bemerkens- und begrüßenswert, dass sich eine so wichtige indische Stimme genau jetzt berufen fühlt, diese „inconvenient truth“ auf den Tisch zu legen. So lange es nicht von von anderen als Entschuldigung für das eigene Nichtstun genutzt wird…

 

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Diskussion

  1. Die US-Versprechen bezüglich der CO2-Reduktion bis 2030 sind völlig unambitioniert. Denn es wird ja geschickterweise das Rekordemissionsjahr 2005 als Basis genommen, so dass die Hälfte der prozentualen Emissionsreduzierung schon heute fast erreicht ist dank der Verlagerung der Energieerzeugung weg von der Kohle hin zum Erdgas. Wobei die Emissionen beim Erdgas deutlich geschönt sind, weil Gasemissionen insbesondere beim Shalegas völlig unberücksichtigt bei der Emissionsberechnung bleiben.
    Die US-Reduzierungsversprechen für 2030 sind deshalb eine einzige Enttäuschung. Und werden trotzdem bejubelt. Unbegreiflich!

  2. Die Bundesrepublik hat ebenfalls ihre Emissionsvorgaben schon mehrfach den übergeordneten wirtschaftspolitischen Prioritäten angepasst. Am 07. November 1990 hatte zunächst das Bundeskabinett beschlossen, dass „für das bisherige Bundesgebiet an dem 25 % Minderungsziel festgehalten wird,“ während „in den neuen Bundesländern von einer deutlich höheren prozentualen CO2-Verminderung bis zum Jahre 2005 ausgegangen“ werden sollte. Ab 1995 gab es jedoch keine getrennte CO2-Bilanzierung mehr zwischen Ost und West. Im Jahr 2005 waren dann 72% aller CO2-Reduzierungen lediglich als Ergebnis des industriellen Niedergangs in drei ostdeutschen Bundesländern erreicht worden: Sachsen (38%), Brandenburg (19%) und Sachsen-Anhalt (15%). Es gab dafür in anderen Teilen der Bundesrepublik mehrere „Klein-Amerikas“, die sich lediglich auf den CO2-Mindersungsergebnissen in den neuen Bundesländern ausgeruht haben.

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