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Mission Impossible oder der Beginn der Rettung unseres Planeten?

Besser hätte das Timing natürlich nicht sein können: Während sich die Regierungsdelegationen nach endlosen Jahren des Verhandelns im Schneckentempo nun endlich über die Zielgerade wagen, um innerhalb der nächsten zwei Wochen ein globales Klimaabkommen zu verabschieden (das die Klimakrise aller Voraussicht nach nicht in den Griff bekommen wird), eilen einige der reichsten und mächtigsten Männer (leider kaum Frauen) dieser Welt – nämlich die Chefs von Microsoft, Facebook, SAP, Amazon, Tata und Hewlett Packard sowie weitere Milliardäre und Philanthropen aus Indien, Afrika, den USA und China nach Paris und launchen die Breakthrough Energy Coalition. Ihr Ziel: Milliardeninvestitionen in die Erforschung und Entwicklung neuer Energietechnologien, in großen Partnerschaften von Konzernen und Regierungen.

Bill Gates, der dafür persönlich eine Milliarden US Dollar bereitstellt, beschreibt das Vorhaben so:

The renewable technologies we have today, like wind and solar, have made a lot of progress and could be one path to a zero-carbon energy future. But given the scale of the challenge, we need to be exploring many different paths—and that means we also need to invent new approaches. Private companies will ultimately develop these energy breakthroughs, but their work will rely on the kind of basic research that only governments can fund. Both have a role to play.

Mehr dazu in diesem Paper von Bill Gates.

Aber auch die Regierungen stehen nicht tatenlos daneben: zwanzig von ihnen (darunter Australien, Brasilien, Kanada, Chile, China, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Mexiko, Norwegen, Südkorea, Saudi Arabien, Schweden, Großbritannien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA) haben sich zur Mission Innovation zusammengeschlossen und suchen hier explizit den Schulterschluss mit der Breakthrough Energy Coalition.

Klingt doch alles super! Was kann man daran auszusetzen haben? Endlich tut mal jemand was, statt nur zu reden!

Und in der Tat: Es ist schon spannend zu sehen, dass immer mehr multinationale Großkonzerne erneuerbare Energien als Zukunftsmarkt entdecken und spätestens jetzt das Rennen nach den besten Lösungen, den effizientesten Produkten und den innovativsten Ideen begonnen hat. Das ist gut so, denn diese Art von Wettbewerb brauchen wir. Wir brauchen gute Ideen und wir brauchen Innovationen.

Und dennoch: Man muss gar kein Anhänger von Verschwörungstheorien sein oder Böses im Sinn haben, wenn man mal ernsthaft die Frage stellt, warum sich diese Herren der Schöpfung nun zu Herren über die Schöpfung ernennen. Einige von ihnen sind ja schon lange im Geschäft und es ist bekannt, wohin die Reise aus ihrer Sicht gehen soll.

Da wird man ja nochmal fragen dürfen und müssen: Wer wird denn bitteschön die Technologien der Zukunft kontrollieren?

Im Bereich der Landwirtschaft beispielsweise richtet die Bill and Melinda Gates Foundation mit der Förderung einer agroindustriellen Revolution für Afrika verheerenden Schaden an und treibt Bäuerinnen und Bauern durch die Förderung von gentechnisch verändertem Saatgut in die Abhängigkeit von multinationalen Konzernen. Und die Zivilgesellschaft kritisiert schon seit Langem die Public Private Partnerships mit Großkonzernen.

Und es ist auch bekannt, dass sich Gates für die Erforschung von Geoengineering Technologien einsetzt – davon ist aber zum Glück bisher in den Texten der Breakthrough Coalition nichts zu lesen (jedenfalls habe ich es nicht gefunden).

Zwar hat sich die Coalition Prinzipien gegeben – diese klingen aber sehr vage und beinhalten keine klaren Leitlinien, was die Abschätzung möglicher sozialer, ökologischer oder menschenrechtlicher Folgen der zu erforschenden Technologien betrifft.

Und auch für die Regierungen ist klar:

While each participating country’s clean energy innovation portfolio is unique and reflects national priorities, all participating countries share the common goal to accelerate the pace of the clean energy revolution now underway in an appropriate way.  This endeavor should help facilitate affordable access to critical technologies.

Das heißt im Klartext: was eine „clean energy“ ist, darf jedes Land für sich definieren – von Atom über CCS (CO2-Speicherung) bis hin zu Geoengineering kann dann alles dabei sein.

Ist das die Innovation, die wir meinen, die wir brauchen? Bekommen wir so die dezentrale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien, die Millionen von Menschen aus der Armut holen und von den Profitinteressen der Großkonzerne unabhängig machen wird?

Die Antwort liegt auf der Hand. Und so muss dem wohlverdienten Applaus für die ermutigenden Worte und angekündigten Taten nun erstens ein kritischer Blick auf die Umsetzung folgen sowie ein starker Ruf nach einer effektiven Technikfolgenabschätzung – unter aktiver Einbeziehung der Zivilgesellschaft und betroffenen Menschen.

Mehr zum Thema Innovationen und eine Kritik der Mainstream-Lösungen gibt es übrigens auch in unserem Buch Kritik der Grünen Ökonomie sowie im dazugehörigen Dossier.

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