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Nigeria steigt in die post-fossile Zukunft ein

Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit und später als die meisten anderen hat die größte Wirtschaftsnation Afrikas am letzten Freitag ihren Klimaschutzplan für Paris vorgelegt: Nigeria definiert mit seinem INDC („intended nationally determined contribution“) eine post-fossile Zukunft – keine kleine Leistung für einen der größten Ölproduzenten der Welt!

Das späte Timing hängt unter anderem damit zusammen, dass sich die neue Regierung unter Präsident Buhari erstmal finden und mit dem Thema befassen musste. Doch letztlich muss man in Nigeria gar nicht lange suchen, wenn man sich mit dem Thema Klimawandel befassen will: Wüstenbildung im Norden, ansteigender Meeresspiegel im Süden, Versalzung der Böden, Dürren, Unwetter… Nigeria erlebt bereits heute, was es heißt, mit den unvermeidbaren Folgen der globalen Erwärmung umgehen zu müssen.

Klar war daher aber auch für die Regierung: Jegliche Klimaschutzpläne dürfen die Entwicklungsoptionen der Bevölkerung (Zugang zu Strom, sauberem Wasser, Bildung usw.) nicht einschränken. Eine post-fossile Zukunft muss Jobs schaffen, zu sozialer Gerechtigkeit beitragen und die Abhängigkeit von Erdölexporten reduzieren.

Und tatsächlich listet das INDC hierfür eine ganze Reihe von Zielen und Maßnahmen auf. Insgesamt verpflichtet sich Nigeria, seine Emissionen bis 2030 um 20 % gegenüber Business as Usual zu reduzieren und dieses Ziel sogar auf -45 % zu erhöhen, wenn es hierfür sichere internationale Unterstützung und Finanzierung gibt – und das, während die Wirtschaft weiterhin um 5 % pro Jahr wächst, die Bevölkerung um 2,5 % und sich der Lebensstandard für die Menschen um 35 % verbessert. Das ist tatsächlich ambitioniert und zugleich machbar.

Hinter den Zahlen stecken große Vorhaben, z.B. die Deckung des Strombedarfs und Zugang zu Strom für alle. Aktuell ist weniger als die Hälfte der Bevölkerung ans nationale Stromnetz angeschlossen und Stromausfälle gehören zum Alltag. Die allgegenwärtigen Dieselgeneratoren durch effiziente gasbetrieben Generatoren auszutauschen, die Energieffizienz massiv zu verbessern und dezentrale off-grid Solarenergie auszubauen gehören daher neben der Beendigung des Abfackelns von Gas bei der Erdölproduktion (gas flaring) zu den zentralen Maßnahmen, die sich die Regierung vornimmt.

 

 

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