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It always seems impossible until it’s done

Paris AgreementDas Pariser Klimaabkommen steht. Eine ausführliche Analyse auf Klima der Gerechtigkeit folgt in Kürze. Auf dem Bild ist das Band vom Klimagipfel in Durban 2011, wo der Verhandlungsprozess für den Deal begann. Es hat mich hier die gesamte Zeit in Paris begleitet – unter anderem auch bei der Redlines Action (D12) am Arc de Triomphe heute nachmittag.

Zum Feiern ist mir nicht zu Mute und es fällt mir auch schwer, die kollektive Begeisterung zu teilen, die hier überall spürbar ist. Der kleinste gemeinsame Nenner aller reicht eben nicht, um das kollektive Ziel (Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C) zu erreichen. Ein gigantischer Meilenstein ist es trotzdem. Hoffentlich kein Stolperstein, sondern ein Sprungbrett.

Das Closing Plenary der COP 21 ist jedenfalls eine wunderbare letzte Wahlkampfveranstaltung für die französische Regierung. Und leider wird die wichtige Intervention von Nicaragua (das Einwände hatte und sie aber erst nach Annahme des Pariser Klimaabkommens äußern durfte), eher genervt erduldet, als ernsthaft angehört: Mit diesem Abkommen begeben wir uns nicht nur auf einen Pfad, der uns weit über das 2°C Limit hinauskatapultiert, sondern verlangen auch noch von denen, die darunter am meisten leiden werden, ihr Recht auf Kompensation für Klimawandelschaden aufzugeben. Menschenrechte kommen da nur noch in der Präambel vor.

Paris ist hoffentlich nur Beginn einer erstarkenden globalen Bewegung für Klimagerechtigkeit, die ihre Rechte einfordern und sich nicht mit schönen Worten und falschen Lösungen um den Finger wickeln lässt!

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Diskussion

  1. Bei allen wohlklingenden Statements von Paris, die immerhin zeigen, dass das Problem allmählich in seiner ganzen Tragweite erkannt wird von vielen politischen und wirtschaftlichen Entscheidern, so gilt natürlich auch hier die Maxime von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es!“
    Oder um Dr. Faust zu zitieren: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“

    Lenken wir mal kurz einen Blick auf die Fakten. Als Beispiel soll hier mal das „ambitionierte Land des Klimaschutzes und der Energiewende“ dienen: Deutschland.
    Hier wurden im Jahr 2014 gut 13.000 Petajoule Energie produziert und verbraucht.
    Die größten Posten des Primärenrgieverbrauchs waren:
    Mineralöl: 35%
    Erdgas: 20,4%
    Steinkohle: 12,6%
    Braunkohle: 12,0%
    Mehr als 3 Viertel unseres Energiemixes stellen also die fossilen Energieträger.
    Danach kommen:
    Erneuerbare: 11,1%
    Kernenergie: 8,1%
    „Andere“: 0,7%
    Betrachten wir mal die Erneuerbaren und deren Steigerungspotenzial, denn die wären ja der Schlüssel zum Klimaschutz:
    Der weitaus größte Posten fällt auf Biomasse fest/ gasförmig: 5,6% und damit die Hälfte aller Erneuerbaren in Deutschland.
    Heute werden zur Erreichung dieses Anteils immer größere Mengen an Biomasse (vor allem Holz) importiert. Die Forstwirtschaft arbeitet am Rande der Nachhaltigkeit und die holzverarbeitende Industrie beklagt einen zunehmenden Mangel an Holz für die materielle Wertschöpfung durch die zunehmende Energetische Verwendung.
    Auch Ernteabfälle (vor Allem Heu) wird heute meist rückstandslos von den Feldern entfernt für den Einsatz als Energieträger und für die Viehzucht. Diese Abfälle sollten aber besser auf den Feldern als Mulch verbleiben, um die nicht unbeträchtliche Erosion durch Wind und Regen zu vermindern in der vegetationslosen Jahreszeit. Immerhin ist in Deutschland die Bodenerosion etwa um den Faktor 20 höher, als die Bodenneubildung, die extrem langsam stattfindet.
    Wer also für Boden- und Naturschutz eintritt, kann unmöglich eine weitere Erhöhung dieses größten EE-Postens fordern.
    Biokraftstoffe machen 0,8% des Energiemixes aus. Auch hier ist eine weitere Erhöhung nicht zu rechtfertigen, ist in dieser Menge doch z.B. das unsägliche Palmöl enthalten, oder Sprit aus Raps mit einem EROEI nahe oder teils unter 1.
    Abfälle und Deponiegas stellen 1,0%. Auch nicht weiter drastisch zu steigern.
    Wasserkraft steuert 0,6% bei. Durch die Topographie in Deutschland und die zumeist dichtbesiedelten Flussufer ebenfalls kaum weiter deutlich zu steigern.
    Kommen wir zu den Erneuerbaren, auf denen all unsere Hoffnungen basieren:
    Solarthermie: 0,2%
    Wärmepumpen: 0,3%
    Geothermie: 0,059%
    Hier gibt es klar Steigerungspotenzial, aber vermutlich werden diese 3 Posten nicht deutlich über 2% hinauskommen. Was ja immerhin eine Vervierfachung bedeuten würde, also ein durchaus ambitionierter Ansatz.
    Nun zu den Haupthoffnungsträgern:
    Photovoltaik: 1,0%
    Windkraft: 1,5%
    Ich wollte es zunächst auch nicht glauben, habe aber alles überprüft uns als zutreffend gefunden. 25000 meist große Windkraftanlagen steuern derzeit lausige 1,5% unseres Energiemixes bei.
    Wenn wir nun das Zubautempo deutlich erhöhen würden und die Windkraft mehr als verdreifachen würden, würde also dieser Posten gerade 5% betragen.
    Bei Photovoltaik, wo sich der jährliche Zubau in den letzten 3 Jahren um 2 Drittel reduziert hat, könnte man wohl 3% schon als sehr ehrgeiziges Ziel ansehen.
    Denn schon jetzt, bei diesem geringen Anteil von Wind und Solar, explodieren die Kosten für das Natzmanagement (alleine bei 50 Hertz derzeit schon 300 Mio Euro im Jahr), müssen immer häufiger Windkarftanlagen vom Netz genommen werden und wird immer häufiger unser Ökostrom mit einer Vergütung (!) für die ausländischen Abnehmer ins grenznahe europäische Stromnetz eingespeist. Ja, in Spitzenzeiten müssen wir die dafür bezahlen!
    Wenn wir also auch nur 5% bei Windkraft und 3% bei Photovoltaik erreichen wollten, müssten wir gigantische Energiespeicher bauen. Die effektivste Speicherart per Pumpsüiecherwerken wäre da absolut nicht ausreichend, zumal sich derzeit neue Pumpspeicherprojekte politisch kaum durchsetzen (siehe z.B. der massive Widerstand im Raum Oberhof).
    Auch Batterien wären kaum in relevanter Größenordnung zu installieren bezogen auf den riesigen Speicherbedarf, wollte man die irre Volatilität zwischen Tag und Nacht, windarmen und windreichen Wetterlagen und zwischen Sommer und Winter halbwegs ausgleichen.
    Dazu kommt noch eine weiterer Aspekt: in den 20er Jahren muss ein immer weiter ansteigender Anteil des Neuzubaus bei Wind und Solar zum Ersatz von Altanlagen dienen und in den 30er Jahren dann fast der gesamte Neuzubau zu diem Ersatz, wenn wir nicht das Neubautempo massiv steigern.
    Selbst eine Verdreifachung des Anteils von Wind und Solar würde uns also vor große Herausforderungen stellen.
    Damit hätten wir aber nur die bis 2022 (endlich) wegfallende Kernenrgie substitiert, aber keine Dekarbonisierung eingeleitet.

    Man sieht: selbst wenn wir alle sinnvollen Standorte für Windenergie mit Anlagen zupflastern würden, das Neubautempo vermehrfachen und das gewaltige Speicherproblem mit seinen Kosten und seinem EROEI-senkenden Effekt lösen würden, wären wir immer noch weit von einer durchgreifenden Dekarbonisierung entfernt.
    Vielleicht wäre es nützlich gewesen, einen Fachvortrag über die physikalischen Grundlagen der heutigen Energieerzeugung in Paris zu organisieren.
    Natürlich ist so etwas illusionszerstörend.

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