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Lokale Stimmen zum Klimawandel im südlichen Afrika – Lesen, Hören und Sehen

Ein Gastbeitrag von Rita Schäfer (freiberufliche Autorin mit Schwerpunkt Südafrika)

Neujahr im südlichen Afrika – nicht nur eine Zeit für Familienfeiern und große Sommerferien für die Schulkinder. Es ist auch eine Zeit des Bangens um den Regen. Werden wieder Starkregen einsetzen und die sprießenden Maispflanzen ertränken? Werden die jungen Gemüsebeete weggespült von erbarmungslosen Wassermassen? Damit geht die Sorge um die Ernährungssicherung und die dünne fruchtbare Bodenschicht einher. Denn verschärfte Erosion verschlechtert die Chancen auf die Existenzsicherung durch die eigenständige Landwirtschaft auf Dauer. Und was ist, wenn der Regen ausbleibt? Das passiert mancherorts auch immer wieder. Dann ist das mühsam ausgebrachte und kostbare Saatgut ebenfalls verloren.

Innovationen von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen

Angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der Nahrungsmittelversorgung im südlichen Afrika von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern produziert wird, sind dies zentrale Themen in ihrer Auseinandersetzung mit dem Klimawandel. Für sie sind die Klimaveränderungen direkt spürbar. Deshalb begannen sie schon vor einigen Jahren, mit innovativen Projekten ihre Anbaumethoden anzupassen. Davon handelt das Afrika Süd Klimadossier und darüber berichten sie auf der multi-medialen Informationsplattform „African Climate Voices“. Hier kommen ideenreiche Frauen und Männer aus dem ländlichen Mosambik, Simbabwe, Sambia und Tansania zu Wort.

Sie erklären auch, wie notwendig Kooperation bei Neuerungen in der Viehhaltung ist und wie ihre Zusammenarbeit erfolgreich funktioniert. Dadurch haben sie neue Formen der Weidewirtschaft entwickelt, die traditionelle Hütemethoden unter heutigen Bedingungen wieder belebt. Diese waren von den Kolonialverwaltungen verboten worden. Ideenreichtum unter Bezug auf agrar-ökologisches Wissen ist auch der Dreh- und Angelpunkt, wenn es um lokal angepasstes Saatselektion geht. Das hilft, den überteuerten und schnell verrottenden Varietäten der internationalen Agrarkonzerne Paroli zu bieten.

Frauenpower und erneuerbare Energie

Die nationalen Stromkonzerne, insbesondere in Südafrika und seinen Nachbarländern, halten in der Energieversorgung häufig nicht ihre Versprechen ein. Trotz aller ehrgeizigen Pläne zur strukturellen Verbesserung der Stromversorgung fallen in ländlichen und ländlichen Siedlungen abends oft die Stromnetze aus. Umso wichtiger sind eigenständige Haushaltsenergieprojekte, etwa brennholzsparende Herde, die der Abholzung Einhalt gebieten und zum Klimaschutz sowie dem Erhalt der Biodiversität beitragen. Auch einfach zu handhabende Solarlampen zählen zu den wichtigen Innovationen „Made in Südafrika“. Hier sind junge Frauen die kenntnisreichen und kreativen Erfinderinnen. Sie haben sich intensiv mit den Problemen von Frauen und Kindern befasst und kostengünstige Geräte entwickelt. Sie erleichtern den Alltag und bieten Lichtblicke in der früh einsetzenden Dunkelheit. Gleichzeitig werden Schülerinnen und Schüler direkt in der Nutzung von Solarmodulen geschult, was ihr technisches Know-How stärkt.

Der Klimawandel zeigt sich besonders deutlich in den Küstenstädten. Hier sind Maßnahmen gegen Überflutungen gefragt, an denen die Stadtbewohner/-innen aktiv mitwirken. Ihnen geht es sowohl um den Schutz ihrer Wohnhäuser, sie nehmen das Recht auf Wohnen und ein Leben in Würde also selbst in die Hand. Außerdem wissen sie, wie wichtig ihre Arbeit ist, um die Wasserqualität zu sichern und Krankheiten zu vermeiden, schließlich sind viele Menschen im südlichen Afrika HIV-positiv.

Diese lokalen Initiativen und das ideenreiche Engagement in Reaktion auf den Klimawandel darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es vor allem auch an den Regierungen in der Region liegt, ihre klimapolitischen Verpflichtungen einzuhalten und internationale Vereinbarungen national umzusetzen. Die notwendigen Finanzen sollten nicht im Korruptionssumpf versinken, sondern dort eingesetzt werden, wo sie vorhandene Maßnahmen nachhaltig stärken können.

Gleichzeitig sind die Reduzierung der Treibhausgase und Maßnahmen zum Klimaschutz vor allem unsere Aufgabe. Denn die Folgen unserer Energieverschwendung und unseres Autowahns, mit dem wir die Atmosphäre aufheizen, bekommen die Menschen im südlichen Afrika direkt zu spüren.

Printexemplare der Zeitschrift Afrika Süd erhalten Sie bei: info@afrika-sued.org

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