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Neuer Bericht: Die ökologischen und wirtschaftlichen Kosten von Wegwerfhygieneartikeln

In der vergangenen Woche veröffentlichte ReZero gemeinsam mit Zero Waste Europe, Break Free From Plastic, ReLoop einen neuen Bericht über die ökologischen und wirtschaftlichen Kosten von Wegwerfhygieneartikeln (Menstruationsprodukte, Babywindeln und Feuchttücher) in der EU.

In den letzten Jahren sind sowohl das Interesse als auch die Debatte über die Auswirkungen von Produktion, Verbrauch und Entsorgung solcher Artikel gewachsen. Die Menstruationsprodukte, Windeln und Feuchttücher zum einmaligen Gebrauch bestehen vor allem aus Plastik und werden nach ihrer Nutzung sofort entsorgt. Aufgrund ihres Gewichtsanteils am kommunalen Abfall sowie ihrer ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen bedürfen sie besonderer Aufmerksamkeit. Die neue Studie analysiert sowohl die Auswirkungen dieser Produkte als auch Möglichkeiten zur Vermeidung und Reduzierung.

Im Jahr 2017 wurden in der EU 49 Mrd. Menstruationsprodukte, 33 Mrd. Windeln und 68 Mrd. Feuchttücher verbraucht. Insgesamt wurden dadurch 7,8 Mio. Tonnen Abfall produziert.

Wegwerfhygieneartikel dominieren im Vergleich zu wiederverwendbaren Produkten noch immer den Markt und die Produktion in Europa steigt. Während ihres gesamten Lebenszyklus sind die Wegwerfprodukte äußerst problematisch für die Umwelt. In der Herstellung werden große Mengen Zellstoff, Baumwolle und Viskose für das superabsorbierende Polymer (SAP) verwendet. Weitere Bestandteile sind Polyester, Polyethylen, Polypropylen, Klebstoffe, Duftstoffe und Farbstoffe. Während des Produktionsprozesses werden außerdem erhebliche Mengen an Wasser und Energie verbraucht.

Wegwerfwindeln und Menstruationsprodukte tragen erheblich zur Klimaerwärmung bei. Während ihres gesamten Lebenszyklus emittieren Windeln schätzungsweise 3,3 Mio. Tonnen und Menstruationsprodukte 245.000 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr.

Da diese Hygieneartikel meist aus einem Materialmix bestehen und nach der Verwendung auch organische Komponenten enthalten sind, ist das Recycling ist technisch schwierig und teuer. Deshalb landen sie in Europa typischerweise auf Deponien (87%) oder werden verbrannt (13%), was nicht nur Ressourcen verschwendet, sondern auch weitere negative Umweltauswirkungen (hohe Landnutzungsrate, Grundwasser- und Bodenkontamination, Treibhausgasemissionen) zur Folge hat. Oftmals werden Menstruationsprodukte und Feuchttücher in der Toilette hinuntergespült, wodurch sie erst ins Abwassersystem und dann ins Meer gelangen können. Sie zählen zu den am häufigsten gefundenen Plastikmüllartikeln an Stränden und im Meer. Wenn sie sich zersetzen, geben sie zudem eine beträchtliche Menge an Mikroplastik an das Wasser ab. Neben den sichtbaren und physikalischen Schäden werden die maritimen Ökosysteme zusätzlich noch durch die chemischen Bestandteile belastet.

Die Entsorgung dieser Hygieneprodukte erzeugt erhebliche Kosten für die Gemeinden, je nach Land zwischen 3 und 10 Euro pro Person jährlich, so der Bericht. Die Wartung und Reinigung der Kanalisation und Kläranlagen von Rückständen kostet in der EU zwischen 500 und 1.000 Mio Euro pro Jahr. Küstengemeinden müssen zusätzlich noch die Strände reinigen.

Die Studie identifiziert auch die wichtigsten wiederverwendbaren Alternativen und analysiert sowohl die Konsumtrends als auch die aktuelle Zugänglichkeit in Europa. Der Hauptvorteil wiederverwendbarer Produkte ist die Abfallvermeidung. Beispielsweise führt die Verwendung einer Menstruationstasse zu einer Abfallreduzierung von 99%. Wenn also nur 20% der Frauen und Mädchen in der EU eine Menstruationstasse benutzen würden, könnten 100.000 Tonnen Abfall pro Jahr eingespart werden. Ähnlich ist es bei einer Familie, die sich für Stoffwindeln entscheidet: 99% weniger Abfall im Vergleich zu Wegwerfwindeln und bei einem Anteil von 20% wiederverwendbarer Windeln europaweit mehr als 1 Mio Tonnen weniger Müll jährlich.

Die potienzielle Müllvermeidung bei Wegwerfhygieneartikeln bedeutet enorme Ersparnisse für die Gemeinden: Kosten für die Abfallentsorgung und Reinigung von Kläranlagen und Kanalisation würden erheblich sinken. Konsumentinnen, die statt Tampons und Binden Menstruationstassen benutzen, können bis zu 119 Euro jährlich und bis zu 4.400 Euro im Leben sparen. Bei Stoffwindeln sind es bis zu 2.000 Euro pro Familie.

Von wiederverwendbaren Produkten würden insbesondere auch Frauen und Familien mit geringen Einkommen profitieren. Obwohl solche Artikel in den letzten zehn Jahren populärer geworden sind, sind die Nutzer/innen nach wie vor in der Minderheit. Das liegt vor allem daran, dass wiederverwendbare Hygieneprodukte nicht überall erhältlich sind. Je nach Land ist die Zugänglichkeit sehr unterschiedlich und häufig gibt es Menstruationstassen oder Stoffwindeln nur im Onlinehandel. Deshalb lautet das Fazit des Berichts: Es ist wichtig, wiederverwendbare Hygieneartikel bezahlbar und einfach erhältlich zu machen, damit sie stärker genutzt werden können.

Neben dem Müllaspekt spielen auch die gesundheitlichen Risiken von Hygieneartikeln wie Tampons und Binden eine große Rolle. Der Plastikatlas der Heinrich Böll Stiftung und BUND greift dieses Thema im Kapitel Gender auf und verdeutlicht, wie die Giftstoffe aus Plastik Frauen stärker und anders belasten als Männer, vor allem durch Menstruationsprodukte. Verwendet frau diese Wegwerfartikel, kommt sie knapp vier Jahrzehnte mit problematischen Kunststoffen in Kontakt.

 

 

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