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Deutsches CO2 ab 2024 unter die schottische Nordsee? CCS ist zurück und fest verankert in deutscher Klimapolitik

Der Tagesspiegel provozierte: „Heute schon den Müll rausgebracht? Oder ist die Tonne zu voll? Sie könnten versuchen, ihren Abfall bei den Nachbarn unterzubringen. Die machen vielleicht weniger Dreck, haben dafür aber den viel größeren Eimer und folglich noch Platz. Nehmen Sie sich ein Beispiel an der Bundesregierung: Sie erwägt ernsthaft, CO2-Emissionen in Lagerstätten unterhalb der Nordsee zu verklappen – auf dem Gebiet der Niederländer, Norweger oder Schotten“. In Aberdeen werden für 326 Millionen Euro ausgebeutete Gasfelder unter dem Meer als CO2-Deponien vorbereitet. Deutschland setzt auf Offshore-Speicher im Ausland, Carbon Capture and Storage (CCS) rückte dieses Jahr verstärkt auf die Agenda im Zuge der Debatten zu „Netto-Null“. Treibhausgasneutralität bis 2050 sei nur zu schaffen, wenn man bereit ist, Kohlendioxid zu speichern ließ die Kanzlerin Angela Merkel fest überzeugt nach dem Petersberger Klimadialog verlauten und holt damit das Thema zurück auf die Tagesordnung. CCS wird als „naheliegendste Idee vielversprechender Maßnahmen“ bezeichnet, um der Atmosphäre künstlich Kohlenstoffdioxid zu entziehen. Es sei eine Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz, als weitere wichtige Klimaschutzsäule notwendig und gemeinsam mit CCU (der stofflichen Nutzung von CO2) ein „Baustein für den Klimaschutz in der Industrie“ sowie „Element einer übergreifenden Strategie zur Treibhausgasneutralität“. Auch sei „der Fortbestand der industriellen Wertschöpfung (…) ohne diese Technologie nur schwer vorstellbar“ sagen die Befürworter/innen. Der Handel mit CO2-Zertifikaten hat deutlich zu einer Intensivierung der Diskussionen über CCS geführt. Offiziell soll CSS auf Industrieemissionen begrenzt werden, dennoch sind die Klimakiller Nummer 1, Kohlekraftwerke, ohne die Abscheidetechnik nicht zukunftsfähig. Der Tagesspiegel titelte kürzlich treffend dazu: „Kohle ohne Ende mit CCS“.

Verschiedene Geoengineering-Technologien wie DACCS (Direct Air Capture mit CCS), BECCS (Bioenergie mit CCS) und CCU benötigen CCS. Wir beobachten eine besorgniserregende steigende Tendenz von Forschungsgeldern für CCS/CCU, sowohl in Deutschland als auch global. Beispiele sind Fördermaßnahmen u.a. zur effizienteren CO2-Abtrennung des BMBF wie „CO2Plus“ mit einem Fördervolumen von 17,5 Millionen Euro als Teil der Hightech-Strategie der Bundesregierung oder „CO2 als nachhaltige Kohlenstoffquelle – Wege zur industriellen Nutzung (CO2-WIN)“. Das industrienahe Institut für Normung (DIN) ist Dienstleister für Normung und Standardisierung und unterstützt solche Vorhaben durch die Erstellung einer sog. „DIN-SPEC oder DIN-Norm. Über diese international anerkannten Standards sagt die DIN selbst; „Normen entwickeln diejenigen, die sie später anwenden.“ Aus dem Bundesbericht für Energieforschung geht hervor, dass seit 2008 jährlich bis zu 11 Millionen Euro an Aufwendungen von den Ländern für Kraftwerkstechnik/CCS ausgegeben wurden.

Meldungen wie „CO2 aus der Luft zu filtern und zu nutzen, könnte ein Billionen-Dollar-Geschäft sein“ zeigen deutlich die massiven wirtschaftlichen Interessen hinter CCS.

CCS und CCU wurden in der deutschen Klimapolitik die vergangenen Jahre immer mitgedacht und in Klimaschutzplänen und -programmen mitverankert, auch wenn dies zwischenzeitlich weniger öffentlich präsent war.

In Deutschland galt CCS lange als politisch gescheitert, weil die unterirdische Speicherung eines Abgases „der Öffentlichkeit nicht vermittelt werden konnte“ und es eine starke Bewegung von Bürger/innen gegen CCS gab. Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen, meint, dass CCS weder technisch machbar, sicher, volkswirtschaftlich sinnvoll, noch von der Bevölkerung angenommen sei. CCS sei für sie „daher vom Tisch“, da alle nord- und ostdeutschen Bundesländer, die als Standorte infrage kommen, Landtagsbeschlüsse haben, die die Speicherung von CO2 ablehnen. Es gebe zudem keine wirtschaftlich laufende Pilotanlage, nur Forschungsanlagen. Europaweit konnte sich CCS nicht durchsetzen und wurde keine der zwölf geplanten Demonstrationsprojekten für CCS umgesetzt.

Im „Eckpunkte des Klimaschutzprogramms für 2030“ des Klimakabinetts finden sich CCS und CCU als „Einzelmaßnahme außerhalb der Sektoren“ neben „Forschung und Innovation“:

Speicherung und Nutzung von CO2

 Für Emissionen aus Industrieprozessen, die nicht anderweitig vermieden werden können, kann die Speicherung und Nutzung von CO2 auf dem Weg zur Treibhausgasneutralitat

2050 eine Lösung bieten. Die Bundesregierung wird die Forschung und Entwicklung zu dieser Technologie fordern. Um die Bedeutung der Technologie in der Gesamtschau der

Klimatechnologien sowie ihre Akzeptanz zu klären, wird die Bundesregierung einen Dialogprozess mit relevanten Stakeholdern einleiten. Zur direkten Vermeidung von

Emissionen aus Industrieprozessen soll die Entwicklung von neuen Technologien und Prozessen gefordert werden. Diese Initiative richtet sich an die gesamte deutsche

Grundstoffindustrie.

 Im Gesamtentwurf für das Klimaschutzprogramm 2030 zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2050 finden sich CCS und CCU:

 Das bedeutet, dass durch menschliche Aktivitäten nur noch so viele Treibhausgase zusätzlich emittiert werden dürfen, wie zusätzlich (…) durch Technologien zur Abtrennung und Speicherung von CO2 bzw. in CO2-Kreisläufen gebunden werden können. (…) Grundsätzlich gilt die Kaskade Vermeiden (CDA –Carbon direct avoidance) vor (…) CCU vor (…) CCS. CCU könnte als disruptive Technologie ein „gamechanger“ sein, durch welche geschlossenen Kohlenstoffkreisläufe in der Industrie ermöglicht werden (…) CCS [kann für] (…) insbesondere Restemissionen der Zement- und Kalkindustrie, der Stahl- und Chemieindustrie [in Betracht gezogen werden].

 Unter Maßnahme 11 findet sich das Programm von BMWi, BMU, BMBF und anderen von 2020 – 2030 zur CO2-Vermeidung und -Nutzung in Grundstoffindustrien:

 Die große Mehrheit der Studien und Szenarien hat inzwischen bestätigt, dass die CCS-Technologie für eine weitgehende Treibhausgasneutralität bis 2050 unverzichtbar ist, weil sie mittelfristig eine vergleichsweise kostengünstige Reduktionsmöglichkeit für anderweitig nicht vermeidbare prozessbedingte Emissionen der Grundstoffindustrie ist. Sehr viele Minderungsstrategien zur Erreichung der globalen Temperaturziele des Pariser Abkommens setzen zudem auf sog. „negative Emissionen“; auch hierfür müssten die Elemente der gesamten CCS-Prozesskette zur Verfügung stehen. Ein breites Konsortium bestehend aus Wissenschaftlern, Unternehmensvertretern und Vertretern von NGOs hat zuletzt die zeitnahe Weiterentwicklung von CCS – flankiert durch einen Diskurs mit den gesellschaftlichen Akteuren – gefordert, damit die Technologie ab 2030 für diese Industrien zur Verfügung stehe (Acatech, September 2018); der tiefe Untergrund unterhalb der Nordsee verfügt über umfangreiche CO2-Speicherkapazitäten. Das Programm zielt ab auf die Anpassung und Skalierung von CO2-Abscheidemethoden auf industrielle Anlagen, die Modellierung und ggf. Entwicklung von regionalen, überregionalen und ggf. europäischen CO2-Netzwerken und Anforderungen an CO2-Ströme beim Transport, die europäische Zusammenarbeit zur Speicherung von CO2 im tiefen Untergrund unterhalb der Nordsee sowie auf einen Dialogprozess CCS im Gesamtkontext der CO2-Reduktionstechnologien mit NGOs, Verbänden, Unternehmen und Wissenschaft. Zum Thema CCS wird auf den in der Bundesregierung abgestimmten Bericht zu CCS verwiesen. (und weiter zu CCU:) Darüber hinaus sind Ansätze und Technologien für eine effiziente CO2- Kreislausführung Teil des Programms; hiervon sind Technologien zur Abscheidung, zur Nutzung u. a. aus dem Bereich der Bioökonomie, aber vor allem auch solche Ansätze umfasst, die im Anschluss an die CO2-Nutzung die Rückführung in den Kreislauf ermöglichen.

Seit Jahren zieht sich die Hoffnung CO2 speichern und nutzen zu können wie ein roter Faden durch die deutsche Klimapolitik. CCS ist Teil der fossilen Infrastruktur und soll dessen Lebensdauer verlängern. Das BMU bestätigt dies in ihren „Zwölf Fragen und Antworten zum neuen Klimaplan der Bundesregierung“ und konstatiert; „Ohne die CO2-armen Kraftwerkstechnologien sind Braun- und Steinkohle nicht zukunftsfähig.“ Eine freiwillige Zertifizierung mit dem„Capture Ready“ Standard des TÜV-Nord bescheinigt Kraftwerken, dass sie für die nachträgliche Installation einer Carbon-Capture-Anlage vorbereitet sind. DECHEMA als „das kompetente Netzwerk für chemische Technik und Biotechnologie in Deutschland“ ist ein Industrievertreter mit über 5.800 Einzel- und Fördermitgliedern. Es richtete 2019 zum 17. Mal die „International Conference on Carbon Dioxide Utilization“ aus, die von TOTAL, Covestro und BASF gefördert wurde. Hier traf und vernetzte sich die CCU Fachgemeinschaft, bestehend aus Wissenschaftler/innen, Politiker/innen und Industrievertreter/innen.

Ursprünglich wurde CCS von der Ölindustrie als eine Technik für die sog. Enhanced Oil Recovery (EOR) entwickelt – eine Technik zur Gewinnung schwer erreichbarer Öl- und Gasreserven. EOR ist global gesehen der größte Abnehmer des abgeschiedenen CO2 und gleichzeitig dessen profitabelster Markt in Zukunft. Energie aus fossilen Brennstoffen in der EU werden immer noch mit mehr als 100 Milliarden Euro jährlich subventioniert. Bei jährlichen Investitionsvolumen von rund 27 Milliarden Euro könne die Chemieindustrie in der EU theoretisch ab 2050 durch Nutzung von CO2 als Ersatz für fossilbasierte Kohlenstoffquellen bis zu 210  Millionen Tonnen CO2  pro Jahr verwerten sagen die Verfechter/innen, dies entspricht etwa 5% der jährlichen Gesamtausstoßmenge der EU28. Global machen öffentliche Fördermittel für CCS-Anlagen immer noch den größten Anteil aus, diese genügen allerdings nicht aus um die erforderlichen zukünftigen Investitionen von hunderten Milliarden von Dollar zu decken, die erforderlich wären um ein Vielfaches an großtechnischen CCS-Anlagen zu bauen, verlautet das Global CCS-Institut.

Selbst bei den Grünen finden sich im Klimaschutzprogramm (Fraktionsbeschluss vom 6.9.2019) CCS und CCU, versteckt unter dem Punkt „Zukunftsfähige Industriepolitik“. Hier werden Investitionen in CO2-freie Industrieprozesse gefordert, unter anderem Fördergelder für Modellprojekte und gezielte Forschung, und das könnte CCS beinhalten. Bei der Forderung nach der Identifikation von „Systeminnovationen für eine klimaneutrale Wirtschaft“ wird auf das Kopernikus-Projekt verwiesen, dessen Förderformat auf weitere Politikfelder ausgedehnt werden könnte. In diesem Projekt wird auch zu CO2 als Rohstoff geforscht und die beteiligten Projektpartner sind bekannte prominente Verfechter/innen von Geoengineering-Technologien (Climeworks und DECHEMA).

Ein Ausflug in die deutsche Klimapolitik in den letzten Jahren, die CCS immer mitdachte, auch vor Paris

CCS und CCU als „Technologien für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, die Treibhausgase sinnvoll nutzen“ waren Teil fast aller klimapolitisch relevanten Dokumente der jüngeren Vergangenheit; Klimaplan, NECP, AP Klimaschutz, Energiekonzept und IEKP.

Das Integriertes Energie- und Klimaprogramm (IEKP) der Bundesregierung aus dem Jahr 2007 sollte wichtige Weichen für eine „hochmoderne, sichere und klimaverträgliche Energieversorgung in Deutschland stellen und Maßnahmen für einen ehrgeizigen, intelligenten und effizienten Klimaschutz sollten festgelegt werden“. Die für die nationalen Klimaschutzziele deutlich gesenkten Obergrenzen für Kohlendioxid-Emissionen sollten nicht überschritten werden. Wenn diese weiter abgesenkt werden, soll (…) längerfristig Kohlendioxid abgeschieden und gespeichert werden. Für CCS müsste der erforderliche Rechtsrahmen geschaffen werden.

Im IEKP heißt es:

Ziel sei die technische, umweltverträgliche und wirtschaftliche Machbarkeit der CCS-Technologien ist durch Demonstrationskraftwerke nachzuweisen…Speicherprojekte mit einer jährlichen Ablagerung von wenigen Hunderttausend Tonnen CO2 sollten schnellstmöglich realisiert werden. Der Rechtsrahmen für Abscheidung, Transport und Speicherung von CO2 (CCS) muss zügig ausgestaltet werden, damit die geplanten Pilotanlagen und später die Kraftwerke eine stabile rechtliche Basis für die Errichtung und den Betrieb der Anlagen haben.

Dazu wurden verschiedene weitere Maßnahmen vorgeschlagen; Entwicklung eines geeigneten Rechtsrahmens für CCS, Erarbeitung von Standards, verbindliche Festlegung von Standorten in Raumordnungsplänen, Aufnahme von CCS in das europäische ETS-System, sowie Einbeziehung in das Post-Kyoto-Regime, Entwicklung einer Roadmap zur CO2-Abscheidung (BMWi/BMU) und –Speicherung (BMBF, BMU), Bau von mindestens zwei oder drei der bis zu 12 EU-weit zu installierenden CCS-Demonstrationskraftwerken mit anschließender dauerhafter Ablagerung in Deutschland sowie schnellstmögliche Realisierung kleinerer CO2-Speicherprojekte. Deutschland solle sich innerhalb der EU und gegenüber der Kommission für eine Intensivierung der EU-US-Forschungszusammenarbeit im Bereich klimafreundlicher Energie-Technologien einsetzen.

Im Energiekonzept von BMWI und BMU aus dem Jahr 2010 für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung wurde CCS sowohl in Deutschland als auch international eine große Bedeutung zugemessen. Erfahrungen mit dem Einsatz von CCS und der Sicherheit der Speicher sollte dabei in Deutschland in Demonstrationsvorhaben gesammelt werden, um eine Verstromung fossiler Energieträger z. B. von heimischer Braunkohle künftig klimaneutral erfolgen zu lassen. International sollte die deutsche Wirtschaft ihre „zukunftsträchtigen Exportchancen“ aber auch nicht verpassen.

Für das Ziel einer Minderung der Treibhausgasemissionen um mindestens 80 % bis 2050 „wollen wir, neben den zentralen Ansätzen Energieeffizienz und erneuerbaren Energien, auch die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) als Option erproben. Dies ist vor allem für energieintensive Industriezweige mit hohen prozessbedingten CO2­Emissionen (z. B. Stahl, Kalk, Zement, Chemische Industrie, Raffinerien) sowie für fossile Kraftwerke (Braun­ und Steinkohle) langfristig von Bedeutung. Durch solche technologischen Neuerungen und Innovationen wollen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass eine Verstromung fossiler Energieträger z. B. von heimischer Braunkohle künftig klimaneutral erfolgen kann.

Viele Staaten werden auch in Zukunft bei ihrer Energieversorgung auf Kohle setzen. Vor diesem Hintergrund bieten sich im Bereich der CCS­Technologie für die deutsche Wirtschaft zukunftsträchtige Exportchancen. Die Bundesregierung wird sich daher für eine noch stärkere internationale Zusammenarbeit bei der Technologieentwicklung einsetzen. Zugleich unterstützt die Bundesregierung die Erprobung und gegebenenfalls Nutzung der CCS­Technologie in Deutschland.

Dazu werden folgende Maßnahmen die weitere Entwicklung von CCS begleiten; Demonstrationsvorhaben sollen Erfahrungen mit dem Einsatz und der Sicherheit der Speicher sammeln, die rechtlichen Grundfragen der gesamten CCS­Kette sollen geregelt werden, auf Basis des CCS­Gesetzes sollen bis 2020 zwei der zwölf EU­weit förderfähigen CCS­ Demonstrationsvorhaben mit dauerhafter Speicherung von CO2 in Deutschland gebaut werden. Ein Speicherprojekt für industrielle CO2Emissionen (z.B. ein Gemeinschaftsprojekt für Industrie­Biomasse­CO2) sollte errichtet werden, Forschungs­ und Entwicklungsanstrengungen werden eingeleitet um die Nutzung von CO2 als Rohstoff voranzutreiben, möglichst in Verbindung mit erneuerbaren Energien (z.B. synthetisches Methan, Algenreaktoren). Ein Geothermie­Atlas sollte beauftragt werden und ein intensiver Bürgerdialog eingeleitet werden. Weiterhin wird die Bundesregierung

im europäischen Kontext […] deutsche Antragsteller bei der Mitwirkung und erfolgreichen Umsetzung des Strategischen Energietechnologieplans (SET­Plan) unterstützen. Priorität haben dabei Projekte mit einer klaren europäischen Dimension; dazu gehören vor allem die Forschungsthemen Stromnetze, erneuerbare Energien, Speichertechnologien, Effizienz und CCS.

Im Klimaschutzplan 2050 von 2016 findet sich ebenfalls CCS:

Ein nicht unerheblicher Anteil (circa 38 Prozent) der Industrieemissionen ist nicht auf die Nutzung von Energie, sondern direkt auf Produktionsprozesse in der Grundstoffindustrie zurückzuführen, beispielsweise bei der Kalk- und Zementherstellung, bei der Stahl­herstellung oder auch in der Grundstoffchemie. Dieser Bereich ist hinsichtlich der zu erzielenden Emissions­minderungen besonders anspruchsvoll: Generell gibt es verschiedene Optionen. So können die betroffenen Prozesse durch neue Technologien und Verfahren in der Industrie ersetzt werden oder über eine Nutzung von CO2-Emissionen vermindert werden (Carbon Capture and Utilization – CCU) oder wenn sonst nicht vermeid­bar, gegebenenfalls langfristig geologisch zu speichern sind (Carbon Capture and Storage – CCS).

Produktionsanlagen in der Industrie, insbesondere in der emissionsintensiven Grundstoffindustrie, haben in der Regel eine sehr lange Lebensdauer von mehre­ren Jahrzehnten, teilweise sogar von über 50 Jahren. Deshalb ist frühzeitiges Handeln erforderlich, um Kapitalentwertung zu vermeiden. Wo immer Retrofit- Maßnahmen an Produktionsanlagen vorgenommen werden oder solche Anlagen neu in Betrieb genommen werden, müssen diese sich an der jeweils bestverfügba­ren Technik (BVT) hinsichtlich der spezifischen Klima­wirkung der Produktion zum Einsatz orientieren.

Damit die notwendigen Minderungen bei den Prozessemissionen der Industrie erreicht werden können, müssen spätestens im Zeitraum 2020 bis 2030 weitere Umsetzungsschritte definiert werden. Es müssen bis 2030 bereits konkrete Maßnahmen zur Umsetzung dieser Lösungen implementiert sein. Dies setzt – auf­bauend auf bestehenden Aktivitäten – umgehende und erhebliche zielgerichtete Forschungs- und Entwick­lungsmaßnahmen zu spezifischen Verfahrensinnovati­onen sowie zu CCU voraus; daran anschließend ist, falls zusätzlich erforderlich, auch eine mögliche Rolle von CCS in diesem Kontext zu prüfen. Die Bundesregierung strebt die kontinuierliche Stei­gerung der Rohstoffeffizienz an; Indikatoren und Maßnahmen hierzu werden in dem regelmäßig fort­geschriebenen Deutschen Ressourceneffizienzpro­gramm (aktuell: Progress II) festgehalten.

Forschungs-, Entwicklungs- und Markteinführungsprogramm zur Minderung industrieller Prozessemissionen

Die Bundesregierung wird gemeinsam mit der Indust­rie ein auf die Minderung klimawirksamer industrieller Prozessemissionen ausgerichtetes, nach Branchenspe­zifik ausgestaltetes Forschungs- und Entwicklungspro­gramm auflegen, das sich am Ziel der Transformation hin zur Treibhausgasneutralität orientiert. Dabei wird auch die Option der industriellen Kreislaufführung von Kohlenstoff (zum Beispiel CCU) berücksichtigt. Das Bundesbildungs- und -forschungsministerium (BMBF) fördert im Rahmen der Maßnahme „CO2Plus – Stoffliche Nutzung von CO2 zur Verbreiterung der Roh­stoffbasis“ innovative F&E-Vorhaben im Bereich der CO2-Nutzung (CCU). Darüber hinaus werden mit der BMBF-Fördermaßnahme „r+Impuls – Innovative Tech­nologien für Ressourceneffizienz – Impulse für industrielle Ressourceneffizienz“ Vorhaben zur Ressourceneffizienz, insbesondere auch umsetzungsorientierte industriegetriebene Vorhaben aus dem Bereich CCU, auf dem Weg in den Markt unterstützt. Zur Ausgestaltung des Forschungs- und Entwicklungsprogramms wird die Bundesregierung bereits in Kürze einen branchenspezifischen Dialogprozess mit den betroffenen Industrien starten. Darauf aufbauend wird die Marktein­führung ausgereifter Technologien unterstützt. Bereits heute können im Umweltinnovationsprogramm (UIP) des BMUB Demonstrationsvorhaben gefördert werden, die eine innovative, Umwelt entlastende Technologie erstmalig großtechnisch umsetzen. Damit hilft das UIP, diese fortschrittlichen Technologien in den Markt zu bringen.

Im Entwurf des integrierten nationalen Energie- und Klimaplans von 2019 sind Maßnahmen für ein Forschungs-, Entwicklungs- und Markteinführungsprogramm zur Minderung industrieller Prozessemissionen vorgesehen, u.a. das oben erwähne Programm „CO2Plus“, es   findet sich unter dem Punkt „Innovation und Wettbewerbsfähigkeit“:

Weiterentwicklung von Nutzungsmöglichkeiten von CO2 im Rahmen von CCU/CCS

Die Weiterentwicklung von Nutzungsmöglichkeiten von CO2, die sogenannte CCU auf der Grundlage erneuerbarer Energie, wird in Deutschland bereits umfassend gefördert und ist Gegenstand zahlreicher Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Mit „CO2-Plus“ und „CO2-WIN“ hat die Bundesregierung eigene Förderprogramme für die CO2-Nutzbarmachung aufgelegt, die vor allem auf die Erweiterung der Rohstoffbasis abstellen. Deutschland ist ferner am ERA-Net Cofund ACT (Accelerating CCS Technologies) beteiligt, das größere Projekte sowie auch die gesamte Bandbreite der Prozesskette der CCS- und CCU-Technologien fördert, d. h. die Abscheidung, den Transport, die Speicherung oder Nutzung von CO2. CO2-Speicherung zu Forschungszwecken findet in Deutschland derzeit nicht statt. Deutschland ist Gründungsmitglied und Federführer der PHOENIX-Initiative, die im europäischen Rahmen die stoffliche Nutzung von CO2 stärken soll.

Das Umweltbundesamt stellt 2018 immerhin fest:

Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die Anwendung von CCS nicht erforderlich, um die Klimaschutzziele in Deutschland zu erfüllen. Daher wird CCS bei nachhaltigen Klimaschutzszenarien im Energiesektor nicht berücksichtigt. Das hat auch den Hintergrund, dass die CO2-Speicherung als eine „End-of-pipe“-Technologie anzusehen ist, bei der der „Abfall“ CO2 im Untergrund deponiert werden soll. Ferner birgt die Technik, wie oben beschrieben, einige Umweltrisiken.

CCS könnte in Deutschland eventuell als Übergangslösung bedeutsam werden, falls sonstige klimaschonende Maßnahmen nicht rechtzeitig im erforderlichen Maße umgesetzt werden und die ehrgeizigen Klimaschutzziele Deutschlands anders nicht eingehalten werden könnten. Vor diesem Hintergrund wäre eine Erforschung der Technologie sinnvoll, um sie insbesondere für die unvermeidbaren Emissionen aus Industrieprozessen oder in Verbindung mit Biomasse einsetzen zu können.

 Ganz aktuell brachte das UBA die „RESCUE“-Studie zu „Treibhausgasneutralität in Deutschland bis 2050“ heraus, in der festgestellt wird, dass kein CCS benötigt wird.

Für die Erreichung nationaler Treibhausgasneutralität ist somit kein CCS erforderlich, sondern vielmehr das Stärken natürlicher Senken. (…) Gleichfalls wird in allen Szenarien CCS (Carbon Capture and Storage) nicht berücksichtigt. CCS ist mit Umweltrisiken verbunden, hat eine geringe Akzeptanz in der Bevölkerung und stellt keine langfristige tragfähige Minderungsmöglichkeit in Deutschland dar. Entgegen anderer Szenarien (BDI, 2018; dena, 2018; Öko-Institut e.V., 2015), in denen CCS als Brückentechnik eine Rolle spielt, um die Treibhausgasminderungen in der Industrie zu ermöglichen, sollen in den Szenarien dieser Studie die Investitionen zielgerichtet in die Entwicklung treibhausgasarmer Prozesstechniken und damit langfristig tragfähige Konzepte fließen. (…) Dass eine solche Energiewende ohne Kohlendioxid-Abtrennung und –speicherung (CCS), energetische Nutzung von Anbaubiomasse und Atomenergie gelingen kann, hat das Umweltbundesamt bereits gezeigt.

Abschließend kann festgestellt werden, dass CCS, obwohl es zwischenzeitlich vom Radar verschwand, fester Bestandteil der deutschen Klimapolitik war und immer geblieben ist, und global derselbe Trend beobachtet werden kann, wie ein Beitrag über alte und neue CCC-Projekte auf GeoengineeringMonitor zeigt.

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Diskussion

  1. Okay, wenn CCS so ein unheimliches Unding ist und es niemals benutzt werden darf: Wie bitte ist Deine/Ihre Vorstellung davon, wie man unvermeidliche CO2-Quellen (Zementherstellung u.a.) negiert?

    In Norwegen wird übrigens seit ca. 30 Jahren vor der Küste CCS betrieben.

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