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Der Sustainable Recovery Report der IEA – eine vertane Chance für den Klimaschutz?

Heute veröffentlichte die Internationale Energieagentur (IEA) als Reaktion auf die Covid-19-Krise ihren speziellen „Sustainable Recovery Report“ des World Energy Outlook (WEO).

Oil Change International hat ihn ausführlich aus zivilgesellschaftlicher Sicht bewertet. Hier ein paar Highlights dieser Bewertung:

Die IEA verpasst mit diesem Bericht eine weitere Gelegenheit, einen guten Beitrag zur Lösung der Klimakrise zu leisten. Konkret lassen sich folgende Punkte bemängeln:

  • Der Bericht erwähnt weder das 1,5°C-Ziel, noch bewertet er, was nötig ist, um die Welt auf den Weg zu bringen, innerhalb der durch das Pariser Abkommen gesetzten Grenzen zu bleiben.
  • Die IEA übersieht das Gesamtbild: Eine ökonomische Erholung, die sich nicht an den Klimazielen orientiert, die eigentlich erforderlich sind, um die Erwärmung innerhalb der 1,5°C-Grenze zu halten, ist unbrauchbar.
  • In einem Punkt hat die IEA Recht, wenn sie sagt: „Die Regierungen stehen vor wichtigen Entscheidungen, die sich auf riesige Investitionssummen auswirken und Infrastruktur und Industrien für die kommenden Jahrzehnte prägen werden“.
  • Aber wenn es der IEA genau damit ernst wäre, Regierungen bei der Erfüllung ihrer Klimaverpflichtungen zu unterstützen, dann würde sie den Regierungen Klarheit darüber verschaffen, welche mutigen, entscheidenden Schritte sie unternehmen können, um die Kohlenstoffemissionen innerhalb dieses Jahrzehnts um die Hälfte zu reduzieren. Denn darum geht es letztlich.
  • Letztendlich, so räumt der Bericht ein, „würde der Sanierungsplan nicht ausreichen; es wären weitere Maßnahmen erforderlich, um die Welt auf den Kurs zu bringen, die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen“.

Allerdings weist der Bericht auch in einige positive Richtungen – auch wenn man sagen muss: er sendet insgesamt eher gemischte Botschaften aus und konzentriert sich weiterhin auf unangemessene, bruchstückhafte Maßnahmen, die die Nutzung fossile Brennstoffe eher verlängern als auslaufen lassen würden.

Das Positive, das man hervorheben kann:

  • Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien die besten Instrumente zur Wirtschaftsförderung in diesen Krisenzeiten sind – eine Schlussfolgerung, zu der auch eine Reihe anderer neuerer Studien kommt. Die IEA nennt z.B. Wind- und Solar-PV „zwei der Energietechnologien, die in vielen Ländern am meisten staatliche Unterstützung verdienen“.
  • Die IEA fordert erneut die Abschaffung von Subventionen für den Verbrauch fossiler Brennstoffe.
  • Die IEA schlägt vor, dass die Zentralbanken Kriterien auf Programme zum Erwerb von Vermögenswerten (asset purchase programs) anwenden sollten, um „sicherzustellen, dass die Finanzierung auf Sektoren und Technologien ausgerichtet ist, die mit den Zielen einer ‚sustainable recovery‘ übereinstimmen“.

Hier aber auch einige der gemischte Botschaften, die die obigen positiven Schlussfolgerungen untergraben:

  • An einigen Stellen im Bericht schlägt die IEA vor, dass neue Kohle- oder Gaskraftwerke keine nachhaltigen Investitionen sind, an anderen Orten jedoch schlägt sie dennoch Ansätze für die Erhaltung oder den Ausbau „hocheffizienter“ Gas- und Kohlekraftwerke vor.
  • Die IEA widmet der Förderung eines ihrer bevorzugten politischen Rezepte – der Umstellung von Kohle auf Gas – Raum, obwohl sie anerkennt, dass dies nicht den Bau neuer Gaskraftwerke beinhalten sollte.
  • Die IEA bezeichnet die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS) und den aus fossilen Brennstoffen erzeugten Wasserstoff fälschlicherweise als „saubere“ Technologien.
  • Dieser Bericht schweigt zudem zur Notwendigkeit, die staatlichen Subventionen für die Produktion fossiler Brennstoffe zu beenden, und die von der IEA geförderte staatliche Unterstützung für CCS, Wasserstoff und Reduktionen von Methanemissionen könnte letztendlich zu deren Ausweitung führen.

Ein grundsätzliches Problem ist, dass sich die IEA mit dem Bericht nicht der unbequemen Wahrheit stellt, dass es einen Plan für den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe braucht und jegliche wirtschaftliche Erholung zunichtegemacht werden kann, wenn wir diesen grundlegenden Treiber der Klimakrise nicht angehen.

  • In der Einleitung des Berichts erklärt die IEA, dass ihr Schwerpunkt in Bezug auf fossiule Brennstoffe darin besteht, „die Produktion und Nutzung von Brennstoffen nachhaltiger zu gestalten“. Daher sind die wichtigsten Maßnahmen, die die IEA in Bezug auf Öl, Gas und Kohle in Betracht zieht, die staatliche Unterstützung zur Verringerung der Methanemissionen aus Öl und Gas und zur Ausweitung von CCS. Damit lässt sich keine Transformation gestalten!
  • Leider verpasst die IEA auch die Chance, über einen „Just Transition“, einen gerechten und nachhaltigen Strukturwandel und die Schaffung zukunftsfähiger Jobs zu sprechen.

Weitere Informationen rund um die IEA, den World Energy Outlook und das 1,5 Grad-Ziel:

http://www.fixtheweo.org/

Zum Mitmachen ein lustiger Quiz: Can you tell the difference between the IEA boss and a Big Oil and Gas CEO?

 

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