--> -->

Klimaschutz im Landsektor – Vorsicht ist angebracht!

Land- und Waldsektor spielen eine entscheidende Rolle bei der Implementierung des Pariser Klimaabkommens und sind daher bei den UN-Klimaverhandlungen auch Gegenstand verschiedener Arbeitsgruppen und Diskussionen. Lösungen und Instrumente, die hier diskutiert werden, könnten dazu beitragen, eine Agrarwende einzuleiten, Landrechte zu schützen und die Entwaldung zu stoppen. Sie könnten aber auch die industrielle Land- und Forstwirtschaft intensivieren, die Vertreibung indigener und lokaler Gemeinschaften verstärken und neue Hintertüren öffnen, um Emissionen aus dem fossilen Sektor durch dubiose Kompensationsmaßnahmen auszugleichen. Es steht also viel auf dem Spiel und die entscheidenden politischen Fragen sind oft hinter komplizierten und technisch anmutenden Agendapunkten versteckt.

Die Arbeitsgruppe CLARA (Climate Land Ambition Rights Alliance) ist ein informeller Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Expert/innen aus aller Welt, die sich genau mit diesen Fragen befasst und versucht, gemeinsam gezielten Einfluss auf die Verhandlungsergebnisse zu nehmen. Nun hat sich die CLARA Gruppe erstmals mit einem eigenen Papier auch öffentlich präsentiert und positioniert – CLARA_Action in the land sector_final.

Das Papier wird von folgenden Organisationen mitgetragen: ActionAid International, Action Contre la Faim, Asian Peoples’ Movement on Debt and Development, Asociación Ambiente y Sociedad Colombia, Biofuelwatch, Brot für die Welt, Carbon Market Watch, CCFD-Terre Solidaire, Center for International Environmental Law, Climate Justice Programme, Derecho Ambiente y Recursos Naturales, Fern, Forests of the World, Friends of the Siberian Forests, Global Forest Coalition, Greenpeace, Groupe de Travail Climat Redd Rénové, Heinrich-Böll-Stiftung, Institute for Agriculture and Trade Policy, Komunitas Sonservasi Indonesia WARSI, Oxfam, Philippine Movement for Climate Justice, Pivot Point, Pro Natura – Friends of the Earth Switzerland, Rainforest Foundation Norway, SONIA, Yayasan Madani Kerkelanjutan – Indonesia, International Federation of Organic Agriculture Movements, Development and Peace – Caritas Canada, Secours Catholique – Caritas France.

Ganz allgemein ist wichtig: Ohne einen klaren Fokus auf radikale Emissionsreduktionen vor 2020 bleibt das in Paris gesteckte 1.5°C Limit ein leeres Versprechen. Böden und Wälder können erhebliche Mengen CO2 absorbieren. Aber die Frage der geeigneten Methoden ist hoch umstritten. Das Pariser Klimaabkommen enthält wichtige Passagen zu Menschenrechten, Rechten Indigener Gemeinschaften und der Integrität von Ökosystemen. Eine Implementierung kann also nur bedeuten, dass wir Maßnahmen umsetzen, die sowohl Klimazielen dienen als auch Menschrechte und Ökosysteme schützen. Jegliche Maßnahmen im Wald- und Landsektor dürfen dabei unter keinen Umständen dazu genutzt werden, Nichthandeln in anderen Sektoren zu entschuldigen. Das CO2-Budget, das wir uns in Paris gesetzt haben, lässt keinen Raum für Offsets!

In den Verhandlungen bedeutet das konkret: Erhöhung der Emissionsreduktionsziele für 2020 ohne dass wir uns darauf verlassen, dass wir überschüssige Emissionen mit negativen Emissionstechnologien (z.B. BECCS) ausgleichen können. Dagegen kann der Schutz von Landrechten dazu beitragen, Wälder zu schützen, Ernährungssicherheit zu erhöhen und Emissionen zu reduzieren.

Konkret fordern die CLARA Mitglieder…

Was wir tun und schützen müssen:

  • Food security and human rights;
  • Free, prior and informed consent (FPIC) and full and effective participation of indigenous peoples and local communities at all stages – including from the project planning and design phase;
  • Halting of deforestation and degradation, and protection and restoration of degraded forests and ecosystems;
  • Security of land rights, including collective land rights;
  • Counting of the emissions from the burning of biomass;
  • Reduction of non-CO2 emissions from industrialised agriculture systems, such as methane (CH4) and nitrous oxide (N2O);
  • Agro-ecological approaches for agricultural adaptation strategies;
  • A scaling-up of climate finance and addressing the particularly large gap in adaptation finance.

Was wir vermeiden müssen:

  • Attempts to use terrestrial carbon sinks to offset fossil carbon emissions;
  • Unreliable accounting for soil carbon removals;
  • Harmful geo-engineering experiments or large-scale land use for Bioenergy with Carbon Capture and Storage (BECCS);
  • Strategies that increase the risk of forced land acquisitions form indigenous peoples and local communities;
  • Counterproductive „Climate Smart Agriculture“ approaches.

Dieser Artikel wurde unter Allgemein abgelegt.

Diskussion

  1. Michael Egloff

    Die Realität auf dem Gebiet der Beseitigung von CO2-Senken ist leider niederschmetternd. Zwar gibt es einige wenige Länder, die eine geringfügig zunehmende Waldfläche aufweisen, aber in vielen Ländern, insbesondere in den demographischen Wachstumsregionen des Südens, schreitet das Entwaldungsmassaker immer weiter voran.
    Die wichtigste Energiequelle für die ärmere Bevölkerungsmehrheit in Afrika ist Holz bzw. Holzkohle. Jährlich wächst die afrikanische Bevölkerung um 30 Millionen (im Jahr 1950 betrug das nominale Bevölkerungswachstum dort nur 5 Millionen Im Jahr), und im Jahr 2050 könnte dieses Wachstum schon auf fast 60 Millionen pro Jahr angewachsen sein. Die Geschwindigkeit der Abholzung dürfte also in den nächsten Jahrzehnten insbesondere In Afrika weiter zunehmen, aber auch in weiten Teilen Südasiens und Südamerikas voraussichtlich unvermindert weitergehen. Mit sehr negativen Folgen für das dortige regionale Klima, weil sich die entwaldeten Böden erhitzen, austrocknen und durch die tropischen Starkniederschläge besonders schnell erodieren, insbesondere bei bergiger Topographie.
    Weiterhin werden in vielen Ländern – nicht nur des Südens – in großem Umfang Feuchtgebiete trockengelegt, um zusätzliche Agrarflächen zu gewinnen, sei es für die Ernährung und zur Befriedigung eines ständig steigenden Bedarfs an Viehfutter oder sei es für die ebenfalls stark steigende Nachfrage nach Agrarprodukten für die Energieerzeugung. Gerade Feuchtgebiete und insbesondere tropische Moore stellen eine bedeutende CO2-Senke dar, die bei Trockenlegung weitgehend verlorengeht.

    Die Erosion von Böden durch die moderne Landwirtschaft schreitet weltweit voran. Bodenneubildung ist ein extrem langsamer Prozess, der sich in wenigen Millimetern pro Jahrhundert bemisst.
    Die Bodenerosionsrate überschreitet die Bodenneubildungsgeschwindigkeit auf ebenen Ackerflächen oft etwa um den Faktor 20, im hügeligen oder bergigen Gelände ohne Terrassierung oft um den Faktor 100. Insbesondere, wenn stärkere Wind- und Regenexposition dazukommt, sind die Spitzenwerte noch höher. Das Mulchen der Ackerböden in der vegetationslosen Phase kommt immer mehr aus der Mode, weil man ja alle Ernteabfälle energetisch oder für die Viehzucht verwerten möchte. Fruchtbarer Boden in seiner Funktion als Lebensbasisressource und CO2-Senke nimmt also immer mehr ab.
    Und dann sollte noch erwähnt werden, dass eine besonders große CO2-Senke in immer schnellerem Tempo verlorengeht: die auftauenden Permafrostböden. In vielen Bereichen schreiten die Auftauprozesse heute sogar auch im Winterhalbjahr voran, weil immer mehr Flächen bis in solche Tiefen aufgetaut sind, dass sie nicht mehr bis auf den Grund des tieferen Permafrostes zufrieren. In bestimmten Schichten können also methanbildende Bakterien das ganze Jahr über ihre Arbeit verrichten, was im Gegensatz zu früheren Zeiten besonders große Emissionen an CO2 und Methan im Frühling zur Folge hat, wenn die oberen gefrorenen Bodenschichten auftauen.

    Um die natürlichen CO2-Senken ist es wirklich nicht gut bestellt. Ob der Beschluss eines Klimagipfels daran etwas ändert? Schön wär´s.

Kommentieren