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Europa, der Klimawandel und wir – Informationen für interessierte Eltern, Großeltern, Lehrer*innen und andere Erwachsene zur Fridays for Future Mobilisierung für den 24. Mai 2019

[Dieser Beitrag ist eine Erweiterung und Aktualisierung meines Beitrags vom 3. April 2019. Er soll ein wenig Orientierung im Dschungel der Informationsflut geben. Ich teile hier meine ganz persönliche und subjektive Auswahl an Informationsquellen und Materialien – für Kinder, Jugendliche, Eltern, Großeltern, Lehrer*innen und andere interessierte und neugierige bis ratloser Erwachsene. Die Zusammenstellung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Es bleibt ein lebendiges Dokument. Schickt mir also gerne Eure Hinweise, Fragen und Empfehlungen!]

Die Klimapolitik der EU:

Grundsätzliche Informationen zur Klimapolitik der EU, den gesteckten Zielen und Instrumenten gibt es u.a. beim Bundesumweltministerium (BMU) und bei der Europäischen Kommission.

Aber noch viel spannender: Lokale und überregionale Arbeitsgruppen von Parents for Future in Deutschland haben zur EU-Wahl 2019 Antworten der Parteien auf die Forderungen von Fridays For Future eingesammelt. Die Ergebnisse gibt es auf der Website www.klimawahl-2019.eu.

Außerdem wichtig: Die Energiewende einfach erklärt: Mit Europa, für Europa! Der kurze Erklärfilm erläutert, warum Europa wichtig für das Gelingen der  deutschen Energiewende ist (und umgekehrt).

Allgemeine Informationen und Angebote rund um das Thema Klimawandel und Klimapolitik:

Das Projekt Schule·Klima·Wandel vom SV-Bildungswerk bringt Klimaschutz und Schüler*innenbeteiligung zusammen. Hier kann man sich als Klima-Botschafter*in ausbilden lassen, Workshops anfragen (auch für Grundschulen sehr zu empfehlen!), spannende Methoden kennenlernen, Klima-Wissen abfragen (super tolle Zusammenstellung von kurzen Fragen & Antworten sowie ein sehr umfassendes und hilfreiches Glossar gibt es da!) und vieles mehr.

Immer wieder lesenswert ist der 2012 (zunächst auf Englisch) erschienene Artikel von Bill McKibben, in dem er beschreibt, wie drei simple Zahlen sich zur globalen Klimakatastrophe addieren: Algebra für’s Klima.

Eine gute Einführung bietet auch die Kinder-Uni und die Bücher des Potsdamer Klimaforschers Stefan Rahmstorf.

Auch die Scientists4Future haben auf ihrer Website Empfehlungen für Gedrucktes, Websites, Videos und mehr.

Eher für Profis, aber trotzdem noch recht kurz, knackig und eingehend erklärt: Kurswechsel 1,5 Grad – Wege in eine klimagerechte Zukunft beleuchtet Irrwege und Lösungspfade in der internationalen Klimapolitik.

Wunderbar erfrischend, unterhaltend und zum Nachdenken anregend ist auch die Show vollehalle („Die Klimashow, die Mut macht“) – u.a. gibt es ein tolles aktuelles Video ihres Auftritts bei der letzten Re:publica.

Und wer wissen will, welche Risiken und Bedrohungen von sog. Geoengineering-Technologien ausgeht (also neuen Großtechnologien, die erforscht werden, um das Klimaproblem technologisch in den Griff zu bekommen; Achtung: nicht zu verwechseln mit Chemtrails!), kann sich diese drei kurzen Erklärfilme (aus der Reihe „A technofix for the climate“ anschauen, auch mit deutschen Untertiteln verfügbar):

Marines Geoengineering

Land-basiertes Geoengineering

Atmosphärisches Geoengineering

Auf den Freitags-Demonstrationen / Streiks habe ich mit Blick auf die zahlreichen tollen und kreativen Plakate der Kinder und Jugendlichen gemerkt, dass viele vor allem die folgenden Themen umtreiben:

Klimawandel & Kohle

Hierzu gibt es natürlich eine ganze Menge. Und hierzu wissen die Kids ja auch meist schon sehr gut Bescheid. Kohle = Klimakiller Nummer 1. Und Fridays for Future hat mit Druck gemacht, dass Deutschland den Einstieg in den Ausstieg schafft. Aber noch geht es viel zu langsam.

Ein paar Informationsquellen, die ich immer wieder hilfreich finde:

Misereor gibt in kurzer Form mit passenden Infographiken 9 Argumente für einen Kohleausstieg.

Bei Greenpeace gibt es Unterichtsmaterialien zum Thema Kohleausstieg ab Klasse 7.

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat gemeinsam mit dem BUND einen Kohleatlas gemacht. Außerdem eine Podcastreihe: Lektionen über Kohle und die Welt.

Aber klar ist natürlich auch: Es geht nicht nur um Kohle. Wir brauchen auch einen Ausstieg aus Öl und Gas!

Klimawandel & Massentierhaltung / Fleisch

Hier empfehle ich wärmstens das beliebte Kinder- und Jugendbuch Iss was?! Tiere, Fleisch & Ich. Das können auch Grundschüler*innen schon anschauen, lesen und verstehen. Man kann es online anschauen – aber besser noch umsonst bestellen!

Für etwas Ältere auch sehr gut: Der Fleischatlas. Den gibt es in zahlreichen Ausführungen, Versionen, Auflagen und Sprachen. Der erste 2013 war dieser hier. Und für 2019 gibt es einen tollen Kalender.

Wer lieber Filme schaut als Texte liest oder Infographiken, mag vielleicht das hier: The Meatrix Relaunched – ist ein Trickfilm von Louis Fox und Jonah Sachs, der als Parodie des Science-Fiction-Spielfilms Matrix die industrielle Landwirtschaft kritisiert und die Verbraucher zu verantwortlichem Konsum von Lebensmitteln auffordert.

Klimawandel & Plastik

Wie Klimawandel und Plastikkrise zusammenhängen, ist leider noch viel zu wenig erforscht und beschrieben. Klar ist: Plastik wird aus Erdöl und Erdgas gemacht, das häufig durch Fracking gewonnen wird. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Plastik (vom Bohrloch bis zum Plastikmüll im Meer bzw. überall in uns und um uns herum) entstehen gigantische Mengen an klimaschädlichen Treibhausgasen. Es ist klar, dass wir die Klimakrise nicht in den Griff bekommen, ohne die Plastikflut zu stoppen und umgekehrt.

Wer es ganz genau nachlesen mag: Eine sehr gute ausführliche Studie ist dazu diese Woche erschienen (alerdings auf Englisch): Plastic & Climate: The Hidden Costs of a Plastic Planet. Hier gibt es eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse auf Deutsch. Außerdem kann ich an dieser Stelle schon einmal versprechen, dass unser Plastikatlas (erscheint am 6. Juni) diesem wichtigen Thema ein ganzes Kapitel widmen wird.

Wer lieber hören statt lesen will: Anja Krieger hat in ihrer englischsprachigen Podcast-Reihe Plastishphere einen sehr schönen Beitrag dazu.

Klimawandel & Biodiversität / Insekten / Bienen

Auch hier sind die Kinder und Jugendlichen der öffentlichen (und teilweise auch der wissenschaftlichen) Debatte schon einen Schritt voraus, in dem sie die Themen Biodiversität (Biologische Vielfalt), Artensterben, Insekten / Bienen selbstverständlich mit dem Thema Klimawandel in Zusammenhang bringen. Ich wünschte, wir Erwachsenen hätten das schon längst kapiert und uns bei der Suche nach Auswegen aus der Klimakrise (und bei der Analyse der Ursachen) nicht nur auf’s Zählen von Tonnen CO2-Äquivalenten konzentriert!

Ich kann hier aktuell empfehlen:

Die Informationen des Global Youth Biodiversity Networks (leider nur auf Englisch, soweit ich weiß) sowie diesen kurzen Erklärfilm, der auch auf den Zusammenhang von Biodiversität und Klimawandel eingeht.

Ganz wichtig – aber ich habe ihn noch nicht in leicht verdaulicher Form präsentiert gefunden: der aktuelle Globale Zustandsbericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES.

Klimawandel & Verkehr / Autos / Fliegen

Der Zusammenhang sollte offensichtlich sein – und doch hat die Debatte gerade erst begonnen. Können wir uns eine Zukunft ohne Autos vorstellen?  Mit weniger globalisierten Handelsströmen und Lieferketten (und damit weniger Transport)? Urlaub ohne Billigflieger?

Ich freue mich jedenfalls über das neu entstehende und wachsende Netzwerk gegen Flugverkehr: Am Boden Bleiben (Stay Grounded) – da gibt es vielleicht noch Inspiration für zukünftige Fridays for Future Aktionen? 😉

Obwohl der Güterverkehr in der Bundesrepublik Deutschland hohe Wachstumsraten aufweist, wird er in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion gerne ausgeblendet. Hierzu gibt es ein tolles Planspiel für Jugendliche ab 16 Jahren: Der Güterverkehr von morgen.

Hier geht es noch einmal gebündelt zu den ganzen Atlanten der Heinrich-Böll-Stiftung, die ich oben schon einzeln aufgeführt habe. Und wie gesagt: am 6. Juni erscheint der Plastikatlas!

Zuletzt möchte ich noch auf einige der zahlreichen neuen Klimaklagen hinweisen, die überall auf der Welt unterwegs sind – und eben auch in Deutschland. Spannend für Kinder, Jugendliche und Familien sind vor allem diese hier, denke ich:

  • Bei einer Klage gegen die Bundesregierung, die derzeit beim Verwaltungsgericht Berlin anhängig ist, geht es auch um Klimaschutzziele. Drei Familien, deren Lebensgrundlage von der Erderhitzung bedroht ist, klagen gemeinsam mit Greenpeace für wirksamen Klimaschutz.
  • In den USA klagen Kinder und Jugendlichen gegen die Regierung: Der Fall Juliana vs. United States von Our Children’s Trust gilt als einer der wichtigsten internationalen Fälle in diesem Gebiet.
  • Aber auch die ältere Generation mischt kräftig mit: In der Schweiz klagen die Klimaseniorinnen für eine ambitioniertere Klimapolitik.

Und dann geht es natürlich auch hier wieder um Europa:

People’s Climate Case: Familien aus der EU, aus Kenia und Fidschi verklagen das Europäische Parlament und den Rat der EU auf ambitioniertere Klimaschutzziele. Die von der EU gefassten Klimaschutzziele, die eine Reduktion in Höhe von 40% für 2030 vorsehen, seien nicht ausreichend, um die Kläger*innen vor den sich aus dem Klimawandel ergebenden Gefahren zu schützen. Die Kläger*innen sehen ihre Rechte bereits heute beeinträchtigt: Die einen leiden unter Hitzewellen und Dürreperioden, sind von Waldbränden und Desertifikation bedroht, die anderen vom Anstieg des Meeresspiegels und Sturmfluten betroffen. Ziel der Klage ist die Erklärung der Rechtswidrigkeit und Aufhebung des 40% Ziels und die Verpflichtung der Beklagten zu einem entsprechend höheren Ziel.

Bei WeMove.EU kann man sich übrigens durch Mitzeichnen eines Soli-Briefs mit den klagenden Familien erklären und die Klage somit direkt unterstützen.

Beitrag zuletzt aktualisiert: 17.5.2019

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